Selbstparkende Autos: Gesetz verbietet Gebrauch

Mercedes-Benz und BMW bieten seit kurzem Autos an, die komplett selbständig einparken können. Der Clou: Das funktioniert sogar ohne, dass der Fahrer im Auto sitzt. Nur: Das Strassenverkehrsgesetz verbietet für die meisten Orte den Gebrauch solcher Systeme.

Beim Parkieren und Manövrieren kracht es häufig. 40 Prozent aller Autounfälle geschehen in diesen Situationen. Und die Zahlen steigen jährlich. «In den letzten fünf Jahren sind die Unfallzahlen um die Hälfte gestiegen», sagt Bern de Wall vom Auto-Versicherer Allianz Suisse. Der Grund: Die Autos werden immer grösser, die Parkfelder aber nicht.

Parkieren wie bei James Bond

Mercedes-Benz und BMW bieten seit einigen Monaten bei bestimmten Modellen ein System, das Abhilfe schaffen soll. Ein Parkpilot, der komplett selbstständig einparken kann.

Der Fahrer muss dabei nicht einmal im Auto sitzen. Er kann entspannt daneben stehen und überwacht den Parkvorgang mit dem Smartphone. Ein weiterer Vorteil des Systems: Weil das Auto alleine parkt, müssen sich die Insassen nicht aus engen Parkfeldern schälen.

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So funktioniert der Mercedes-Parkpilot

4:37 min, vom 19.7.2016

Fahrer muss jederzeit eingreifen können

Doch die Sache hat eine Haken: Ferngesteuertes Einparken ist an den meisten Orten nicht erlaubt. «Laut Strassenverkehrsgesetz muss der Fahrer jederzeit eingreifen können. Das geht nur, wenn er im Auto sitzt», sagt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen Astra.

Die Bestimmung gelte auch für viele vermeintlich private Areale wie etwa Parkplätze oder Parkhäuser. «Diese gelten laut Strassenverkehrsgesetz als öffentliche Verkehrsfläche, auch wenn sie in Privatbesitz sind», so Rohrbach.

Gesetz hinkt technischer Entwicklung hinterher

Der Einsatz des ferngesteuerten Parkpiloten, den ähnlich auch BMW anbietet, sei vor dem Abstellplatz des eigenen Einfamilienhauses wohl erlaubt. «Aber schon bei einem Mehrfamilienhaus wird das heikel», so das Astra.

Allerdings könnte das Gesetz hier schon in einigen Jahren angepasst werden, um den technologischen Fortschritt nicht zu verhindern.

Assistenz-Systeme senken Unfallzahlen

Die Auto-Versicherer begrüssen grundsätzlich moderne Assistenz-Systeme wie beispielsweise Parkpiloten. Laut Daniel Meier von der Versicherung Axa Winterthur können diese Systeme Unfälle verhindern: «Autos mit Notbrems-Assistenten zum Beispiel verursachen rund 30 Prozent weniger Unfälle als Autos ohne solche technischen Hilfsmittel.» Auch Parkpiloten würden da präventiv wirken.

Haftpflichtversicherer fordern Geld zurück

Wer die ferngesteuerte Parkhilfe an unerlaubten Orten benutzt und einen Unfall verursacht, riskiert hohe Kosten. Weil die Funktion gemäss Astra aktuell nicht erlaubt sei, würde man gemäss Daniel Meier vom Axa Winterthur den entstandenen Schaden gegenüber dem Geschädigten zwar ersetzen. «Wir würden aber in so einer Situation einen Regress gegenüber dem Verursacher prüfen». Im Klartext: Dieser müsste den Schaden - zumindest teilweise - selber zahlen.