Abstimmen an der Steckdose

Wenn das Restrisiko der Atomenergie eine nukleare Katastrophe beinhaltet, dann dürfen wir dieses Risiko nicht eingehen.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Dann müssen wir auf Atomstrom verzichten. Eigentlich ist es ganz einfach. Denn nüchtern und unideologisch betrachtet stellen wir fest: Es kann etwas passieren. Und wenn etwas passiert, dann ist es eine Katastrophe, die unendliches, mit Worten nicht zu beschreibendes Leid über die Menschen bringt.
 
 Natürlich ist ein Ausstieg aus der Atomstromproduktion keine simple Angelegenheit. Nicht nur, weil die Stromwirtschaft europaweit vernetzt ist. Sondern auch weil am Atomstrom vielfältige Interessen hängen, die resistent sind gegen Veränderungen.
 
 Doch Konsumenten könnten ein Zeichen setzen. Konsumenten, die nicht auf eine allfällige Abstimmung über die Erneuerung unserer alten AKWs warten wollen, können an der Steckdose abstimmen. Indem sie sich von ihrem lokalen Stromversorger nicht den Standard-Strommix liefern lassen, der je nach Ort zum grössten Teil aus Atomstrom besteht, sondern erneuerbare Energie bestellen. Leider tun dies erst sehr wenige.
 
 Wenn Schweizerinnen und Schweizer auf diese Weise klar machen würden, dass sie nur noch Energie aus erneuerbarer Produktion beziehen wollen, dann kämen die Energiekonzerne unter Druck. Wenn kein Mensch mehr Atomstrom will, werden die Energiehersteller ziemlich Mühe bekommen, die Notwendigkeit von AKWs im Land zu rechtfertigen. Wenn alle Konsumenten auf Strom aus erneuerbarer Produktion pochen, werden die Kraftwerke kaum mehr wertvollen Wasserstrom exportieren können, wie es heute im grossen Stil geschieht.
 
 Und noch etwas können wir Konsumentinnen und Konsumenten – ohne dass es uns einen Rappen kostet. Im Gegenteil. Wir können unsere Haltung gegenüber der Energie ändern. Wir können uns von der Vorstellung trennen, dass Elektrizität eine Selbstverständlichkeit ist, die tagein tagaus aus der Steckdose kommt.
 
 Strom ist ein extrem kostbares Gut. Stellen Sie sich vor, der Strom aus der Steckdose sei so kostbar wie die teuerste Flasche Wein im Keller. Sie werden sich hüten, etwas davon zu verschütten.