Arztlöhne müssen umverteilt werden

Ich kenne meinen Hausarzt seit Jahren. Und, was wichtiger ist: er mich auch.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Er weiss, wie ich ticke. Er kennt meine Ticks. Er sieht mir an, ob mein Boboli ein wirkliches Problem ist. Er kennt meine Gesundheitsgeschichte und kann einschätzen, ob Grund zur Sorge besteht oder ich lediglich meine paranoiden Tage habe.
 
 Wäre ich mit dem komischen Gefühl in der Brust zum Herzspezialisten gegangen, hätte dieser teure Untersuchungen veranlasst. Hätte ich einem Neurologen von meinen seltsamen Kopfschmerzen erzählt, wäre ich bestimmt in der Röhre gelandet. Mein Hausarzt hat mich vor sinnlosen Untersuchungen bewahrt. Und uns Prämienzahlern viel Geld gespart. Und mir geht es gut.
 
 Experten sind sich einig: Gute Hausärzte sind für das Gesundheitswesen zentral – und sie werden noch wichtiger werden. Und doch sind Hausärzte finanziell deutlich schlechter gestellt als die meisten anderen Fachärzte.
 
 Kein Wunder, entscheiden sich immer mehr Studenten für die Spezialarzt-Karriere. Wodurch sich die Kostenspirale munter weiter nach oben dreht. In Kantonen, in denen viele Spezialisten praktizieren, sind die Prämien der Grundversicherung massiv höher als in Kantonen mit geringer Dichte – ohne dass es den Menschen besser ginge.
 
 Es ist klar: Es braucht eine Umverteilung. Als Prämienzahler und potenzieller Patient erwarte ich, dass die Spezialisten im Laufe der Tarifrevision etwas abgeben. Dass das passiert, hat man uns schon bei der Einführung des Tarifwerks versprochen. Geschehen ist bisher genau das Gegenteil. Gesund ist das nicht.