Das schwere Los der Schönredner vom Dienst

Pressesprecher haben mein Mitgefühl. Sie müssen den Kopf hinhalten für die Fehler ihrer Chefs.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Und sie müssen den Journalisten erklären, dass alles ganz anders sei, als diese recherchiert haben. Ich will hoffen, dass die Sprecher wenigstens königlich entlöhnt werden, denn bestimmt ist es nicht leicht zu ertragen, jeden Sachverhalt in eine positiv klingende Formulierung packen zu müssen – selbst wenn weit und breit kein positiver Aspekt auszumachen ist.
 
 Aktuelles Beispiel: Mobilprovider verlangen fürs Surfen auf dem Handy Mondtarife. Eine Stunde Handysurfen kann schnell einmal ein paar Hundert Franken kosten. Ein Fall für ein Studiogespräch: Einer der Mobilprovider soll den Konsumenten die hohen Preise im «Kassensturz»-Studio begründen. Doch die Provider drücken sich. Auch nach 20 Telefonaten in alle Himmelsrichtungen.
 
 Und dann fällt im Gespräch mit einem Pressesprecher der Satz, der es auf den Punkt bringt. Wörtliches Zitat: «Wir würden sehr gerne nicht an Ihrem Studiogespräch teilnehmen.» Die Firma verweigert sich der Auseinandersetzung, doch sogar diese Verweigerung soll gut tönen.
 
 Den Satz muss man sich in den Ohren zergehen lassen! «Wir würden sehr gerne …», beginnt der Sprecher und ich denke: Aha, jetzt haben sie begriffen, dass Erklärungsbedarf besteht, «… nicht an Ihrem Studiogespräch teilnehmen.» Man glaubt es nur, wenn man es selber gehört hat.
 
 Eigentlich möchte der Sprecher ja sagen: Mein Chef hat nicht die geringste Lust, sich eine Frage anzuhören, auf die er keine vernünftige Antwort geben kann. Das wäre Klartext von der Medienstelle. Ich hoffe immer noch auf den Tag, an dem ein Pressesprecher mir einen solchen Satz sagt.