«Gestatten, Botschafterin Navyboot»

Neujahrsempfang im Bundeshaus: Bundespräsidentin Doris Leuthard begrüsst die Botschafter aus aller Welt.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Einen ernsthaften Deutschen, einen jovialen Amerikaner, einen charmanten Franzosen.
 
 Doch was ist das? Hinter einem bunt gekleideten Mann aus Afrika hat sich Rennfahrer Michael Schumacher in die Kolonne der Würdenträger eingereiht. Hinter ihm Roger Federer und dahinter zwei Ex-Missen. Die Bundespräsidentin macht grosse Augen. «Doch doch, auch ich bin Botschafter», sagt Schumacher. Frau Leuthard versteht die Welt nicht mehr: «Was für ein Botschafter?» «Ich bin Botschafter für die Nobelmarke Jet set», sagt Schumacher. Frau Winiger drängt sich an ihm vorbei: «Und ich bin Botschafterin für Navyboot.» «Und ich für die Marke Jura», sagt Federer. «Und ich für ein Waschmittel», sagt Ex-Miss-Schweiz Anita Buri (die Marke hat sie grad vergessen).
 
 Mich nervt die aktuelle Massierung dieser «Botschafter». Jeder noch so erbärmliche Werbeträger nennt sich heute so. Es tönt wunderbar bedeutungsvoll. Als gäbe es tatsächlich eine Botschaft zu vermitteln – jenseits der Produktanpreisung. Als Botschafter können sich Werbeträger richtig clever fühlen.
 
 Früher war das anders: Da hat man einem bekannten Zeitgenossen einen Schokoriegel in die Hand gedrückt, er musste reinbeissen und dazu in die Kamera lächeln. Und jeder hat sofort gewusst, was Sache ist: Dass hier jemand Geld dafür kassiert, dass er so tut, als fände er diesen Schokoriegel richtig gut.
 
 Ich fand das ehrlicher.