Hören Sie auf mit dieser Opferhaltung!

Der viel zu starke Franken hat endgültig klar gemacht, was wir vom Kassensturz seit Jahren anprangern: Grosskonzerne und Hersteller kassieren in der Schweiz hemmungslos ab.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Weil sie davon ausgehen, dass wir ach so reichen Schweizer uns teurere Produkte leisten können oder zumindest zu dumm sind, zu merken, dass man uns ausnimmt.

Das System nennt sich in der beschönigenden Wirtschaftssprache «Segmentierung». Zu Deutsch: Die Anbieter schöpfen die Kaufkraft der Schweizer ab. Noch Deutscher: Wer sich ausnehmen lässt oder sich nicht dagegen wehren kann, wird ausgenommen. Punkt. Viele finden das hässlich, viele die normalste Sache der Welt. Fest steht: Segmentierung ist in unserem Wirtschaftssystem vorgesehen und akzeptiert. So viel kassieren, wie nur geht, ist ein Pfeiler der freien Marktwirtschaft. 

Dass Massnahmen gegen die Hochpreisinsel Schweiz nur bedingt wirken, haben wir mittlerweile auch gelernt. Parallelimporte sind nur beschränkt wirksam, nur wenige Produkte werden parallel importiert. Der Vorgang ist zu aufwändig, die Mengen sind zu klein, oft werden dem Handel wichtige Papiere vorenthalten und Schweizer Detailhändler sind letztlich auch nicht wirklich am Parallelimport interessiert, weil sie an den hohen Preisen mitverdienen.

Doch es gibt eine ganz einfache Alternative: Konsumenten können statt teure Markenprodukte andere Artikel kaufen. Ehrlich gesagt nervt mich der Satz, den ich von Konsumenten immer wieder höre, zunehmend: «Ich kann halt nicht ausweichen. Ich bin auf dieses oder jenes Produkt angewiesen. Ich brauche dies oder das. Und zwar genau das.»

Eine weinerliche Haltung. Als wären wir Konsumenten Opfer. Was heisst denn hier: ein Produkt brauchen? Ich meine nicht einfach brauchen, sondern wirklich brauchen. BRAUCHEN. Brauchen Sie eine bestimmte Handcreme? Oder eine ganz bestimmte Rasierklinge?  Wirklich? 

Ich denke: Sie glauben höchstens, dass Sie eine bestimmte brauchen. Die Industrie gibt ja auch jede Menge Geld dafür aus, Sie glauben zu machen, dass Sie ein ganz bestimmtes Produkt brauchen zu Ihrem Glück. Was wiederum genau dieses Produkt auch teurer macht. Womit sich der Konsument in den eigenen Schwanz beisst – sozusagen.

Es gibt für fast alles Alternativen. Schauen Sie sich die Produktetests des «Kassensturz» und anderer Konsumentenmagazine genauer an. Sie werden feststellen, dass sehr oft andere  Produkte genau so gut sind wie die Marken. Sehr oft auch besser. Und ganz häufig zumindest nicht viel weniger gut.

Lassen Sie sich inspirieren von den Testresultaten auf Kassensturz online. Denn Umsteigen auf andere Produkte ist letztlich auf jeden Fall wirksamer als jeder Parallelimport und jeder Abbau von Handelshemmnissen: Wenn die Nachfrage sinkt, werden die Markenhersteller mit den Preisen runter kommen. Denn sie wollen nur eines: verkaufen. Auch Ihnen.