«Mein bester Freund ist ein Joghurt»

Erschüttert stehe ich vor dem Kühlregal. Ein Joghurt stürzt mich in schiere Verzweiflung. Auf dem Becher steht: «Steigert das Wohlbefinden.»

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Ist das nicht allerliebst! Das süsse kleine Becherwesen steigert mein Wohlbefinden. Jetzt kommt alles gut.
 
 Ich bin tief gerührt, doch gleichzeitig kommen Zweifel auf. Darf ich mein Wohlbefinden einem Joghurt überlassen? Ist das nicht zu viel der Verantwortung für ein Milchprodukt? Sein Nachbar im Regal will gar meine Verdauung günstig beeinflussen. So schön! Und doch: Darf ich meine Verdauung delegieren? Sollte ich nicht eher einen Spaziergang durch den frisch verschneiten Wald wagen? Oder gelegentlich etwas früher zu Bett gehen? Beides dürfte Verdauung und Wohlbefinden genauso positiv beeinflussen.
 
 Fragen türmen sich vor mir auf, während andere Kunden an mir vorbeidrängen und hemmungslos Wohlbefinden steigernde Becher in ihre Einkaufswagen laden. Was ich nicht verstehe: Warum steht der Satz nur auf dem Joghurt? Ich schwöre Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bei allem, was ich gerne esse: Jede Form von Nahrungsaufnahme steigert mein Wohlbefinden. Ein Filet vom Schwein macht mich froh. Ein Stück Mozzarella lässt mich singen. Ein dunkles Truffe, und ich hebe ab. Warum steht auf diesen Nahrungsmitteln nichts dergleichen?
 
 Liebes Joghurt, ich danke Dir für das selbstlose Angebot. Schade nur, dass du 50 Prozent mehr kostest als dein schmuckloser Kollege, der sich nicht mit grossen Versprechen brüstet.
 
 Das schmälert mein Wohlbefinden entschieden.