Schweizer Glühlampenverbot ist Schwachstrom

Der ältere Herr benimmt sich auffällig: Seit einer Ewigkeit kreist er um das Gestell mit den Sparlampen und LEDs.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Ich beobachte ihn mit einem Gefühl der Genugtuung: Unsere Berichte über Leuchtmittel mit Zukunft scheinen Früchte zu tragen. Der Schock kommt an der Kasse, wo ich den Mann wieder treffe. Sein Einkaufswagen ist voll von Glühbirnen. Alte, ineffiziente Glühbirnen. Keine einzige Sparlampe.
 
 Vermutlich ein typischer Schweizer: Vom Vertrauten einkaufen, so lange es noch geht, und einen Bogen machen um Neues, das man nicht kennt. Genau deshalb braucht es Vorschriften vom Staat. Damit die Energiefresser gar nicht mehr im Gestell stehen.
 
 Die Schweizer Behörden haben vor ein paar Monaten stolz ein «Glühlampenverbot» präsentiert. Doch dieses ist längst überholt. In der EU sind seit dem 1. September 2009 fast alle mattierten Glühbirnen verboten und alle klaren Lampen ab 80 Watt Leistung, die schlechter sind als Klasse C. Ein Verbot, das den Namen verdient.
 
 Im Vergleich dazu ist die Schweizer Vorschrift Schwachstrom: Sie verbietet nur ganz wenige Birnen mit schwacher Leistung. Viele Leute werden darum auf stärkere umsteigen. Der Stromverbrauch wird zunehmen. Und schlimmer noch: Der Schweizer Markt dürfte ab Herbst überschwemmt werden mit Stromfressern aus dem Ausland, die dort nicht mehr verkauft werden dürfen. Dann wird der ältere Herr wohl erneut im Supermarkt auftauchen und sich einen Glühbirnenvorrat für Jahre anlegen.
 
 Eine schwache Leistung unserer Behörden. Noch schwächer als diejenige der paar Glühbirnen, die in der Schweiz verboten sind.