Unanständige Mittel für einen guten Zweck

Die idealen Opfer sitzen im Altersheim. Menschen, die dazu erzogen worden sind, dass man ehrlich meint, was man sagt.

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Bildlegende: Ueli Schmezer SRF

Die Aussage «Sie haben gewonnen» nehmen sie darum zum Nennwert. Und werden abgezockt.
 
Die meisten mögen diese Haltung für naiv halten. «Man kriegt doch nichts geschenkt.» Natürlich nicht. Wir vom «Kassensturz» wissen das am besten. Seit Jahren warnen wir vor miesen Typen und ihren falschen Versprechen. Und doch: Auch ich gehe grundsätzlich davon aus, dass etwas so ist, wie es daherkommt. Und dass man mich nicht belügt.
 
Deshalb ärgere ich mich über Werbespots wie jenen von der Migros mit der namentlich auftretenden Galeristin, die gar keine ist – oder über jenen der Krebsliga, in dem das Bett des krebskranken Reto eines Morgens leer steht und der Zuschauer vor Schmerz zusammenzuckt, um dann zu sehen, wie der Bub gesund zum Spital hinausspaziert. Der Reto, der im richtigen Leben Adrian heisst und nie Krebs hatte. Ich fühle mich hereingelegt.
 
Die ganz Abgebrühten, die sich schon längst nicht mehr wundern und schon gar nicht ärgern, können darüber nur lachen: Der Tote im Krimi ist ja auch nicht wirklich tot. Frage: Wollen sie damit sagen, dass Werbung nur noch Fiktion ist? Warum geben sich dann Werber immer mehr Mühe, die Menschen in den Spots durch Nennen eines Namens oder einer Berufsbezeichnung möglichst echt wirken zu lassen? Sie wissen offenbar, dass die Leute glauben, was sie sehen.
 
Hätte die Krebsliga ein richtiges Krebskind zeigen sollen? Natürlich nicht. Aber es gibt andere Möglichkeiten, dem Zuschauer eindrucksvoll zu zeigen, wie schlimm Krebs ist.
 
Mit den Gefühlen der Menschen zu spielen, finde ich unanständig. Selbst für einen guten Zweck.