Chinesisches Gesundheitsmodell spart Prämien

Im alten China der Song-Zeit (960-1279) hielten sich begüterte Familien einen eigenen Leibarzt.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Der Arzt bekam ein festes Gehalt. Aber nur solange alle Familienangehörigen gesund waren. Erkrankte jemand, wurden die Zahlungen sofort gestoppt. So war gewährleistet, dass sich der Arzt mit ganzem Eifer um die schnelle Genesung des Kranken bemühte.
 
 Ganz anders in der Schweiz: Hier verdienen Ärzte an der Krankheit. Je mehr sie herumdoktern, desto grösser ist ihr Verdienst. Wenn die Praxis nicht ausgelastet ist, lassen sie ihre Patienten zu einer unnötigen Nachkontrolle kommen oder fertigen sinnlose Röntgenbilder an. Das führt zur Kostenexplosion. Bereits Mitte Jahr müssen voraussichtlich etliche Krankenkassen ihre Prämien nochmals erhöhen.
 
 Sparen kann da, wer einer HMO-Versicherung beitritt. Einziger Nachteil: Er büsst die freie Arztwahl ein. Wenn er krank wird, darf er nicht von sich aus zu einem teuren Spezialisten gehen. Ausser in Notfällen. Dafür gibt’s Prämienrabatte. Und er muss künftig voraussichtlich weniger Selbstbehalt und Franchisen bezahlen.
 
 Denn eine HMO-Gruppenpraxis spart Kosten, weil sie das herkömmliche System auf den Kopf stellt. Die angestellten HMO-Ärzte bekommen einen Fixlohn, sie verdienen nicht an einzelnen Leistungen. Deshalb haben sie kein Interesse, unnötige Behandlungen anzubieten. Die Ärzte verantworten ein Budget, mit dem sie auskommen müssen. Je weniger Leistungen sie verschreiben, umso grösser ist der finanzielle Erfolg der Praxis. Trotzdem ist die Gefahr klein, dass HMO-Ärzte für ihre Patienten zu wenig tun, um Kosten zu sparen. Denn ein Patient, der nicht ganz gesund wird, ist teuer, weil er ständig wieder kommt. Ein HMO-Arzt wird sich also mit vollem Einsatz um die Genesung des Kranken kümmern. Wie die Chinesen vor tausend Jahren.