Das Dilemma der gefangenen Prämienzahler

Die Polizei nimmt zwei Ganoven fest und verhört sie einzeln. Für eine hohe Strafe fehlen ihr die Beweise.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Wenn beide schweigen, müssen sie wegen kleinerer Delikte nur für zwei Jahre ins Gefängnis. Deshalb machen die Polizisten den beiden ein Angebot: Wenn der eine seinen Komplizen verpfeift, kommt er straffrei davon, der andere muss für fünf Jahre hinter Gitter. Wenn sie sich gegenseitig verpetzen, werden beide für vier Jahre eingebuchtet.
 
 Die Ganoven sind schlau. Sie überlegen: Wenn der andere plaudert, ist es für mich besser, wenn ich auch gestehe. Denn statt fünf Jahre muss ich dann nur vier Jahre ins Gefängnis. Wenn der andere schweigt, ist es ebenfalls besser, wenn ich den anderen verpfeife. Denn dann komme ich frei. Beide entscheiden sich, den Komplizen zu verraten und werden für vier Jahre eingebuchtet. Hätten sie geschwiegen, müssten sie nur zwei Jahre hinter Gitter.
 
 Die Ganoven haben individuell rational in ihrem eigenen Interesse gehandelt. Trotzdem ist das Ergebnis für beide nicht optimal. Dieses berühmte Gefangenendilemma aus der Spieltheorie der 50er Jahre zeigt, dass eigennütziges Verhalten nicht immer am besten ist.
 
 Wie diese Gauner denken auch viele Prämienzahler. Für das viele Geld, das sie jeden Monat den Krankenkassen bezahlen müssen, wollen sie einen Gegenwert. Die Prämien sollen sich rentieren. Sie nutzen die Angebote im Gesundheitsmarkt, gehen auch bei einer Bagatelle zu Spezialisten und kaufen die teuersten Medikamente. Sie handeln rational. Da jedoch viele so denken, explodieren die Prämien. Am Ende verlieren alle.
 
 Die Lösung ist ein Ausbruch aus dem Dilemma: kostensparende Hausarzt- und HMO-Modelle, höhere Franchisen, eingeschränkte Arztwahl, Generika statt Originalmedikamente und mehr Eigenverantwortung.