Das Unwort des Jahres

Welches Wort hat es im letzten Jahr zu diesem Titel geschafft?

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Alle Jahre wieder wählen Jurys das Unwort des Jahres. Einen Begriff, der einen Sachverhalt vernebelt, bösartig ins Gegenteil verkehrt oder beschönigt. Im letzten Jahr haben die Deutschen «notleidende Banken» zum Unwort erkoren. Denn dieser Ausdruck verdreht die Tatsache, dass Banken keine Opfer sind, sondern Täter, die durch ihre Gier die Wirtschaftskrise ausgelöst haben. Die Schweizer Jury hat bereits das Unwort des Jahres 2009 bestimmt: «Ventilklausel».
 
 Ich finde, ein anderer Ausdruck hätte das Prädikat mehr verdient: «Bankerboni». Kein anderes Wort wurde im letzten Jahr so pervertiert wie dieses. Denn einen «bonus» – lateinisch für gut, tüchtig – soll derjenige erhalten, der herausragende Leistungen erbracht hat. Doch die Banker in den Chefetagen haben versagt. Nachdem die UBS ihr Institut an die Wand gefahren hatte, musste der Staat Milliarden einschiessen, um die marode Bank zu retten. Nach wie vor hockt die Nationalbank auf faulen Papieren, die sie für zig Milliarden übernommen hat, um das Land vor einem Totalschaden zu bewahren. Diese Last hat die UBS künftigen Generationen aufgebürdet. Doch Reue kennen die Banker nicht.
 
 Heute sind die Banker Profiteure der Krise, die sie selbst verschuldet haben. Weltweit haben Nationalbanken die Zinsen gesenkt, damit die Realwirtschaft nicht noch mehr leidet. Die Banker nutzen das aus. Statt den Firmen günstige Kredite zu vergeben, fangen sie wieder an, das billige Spielgeld zu verzocken.
 
 Zudem mussten sich viele Staaten massiv verschulden, um die Welt vor einem Kollaps zu retten. Mit der Ausschüttung von Staatsanleihen bekommen sie wieder Geld in ihre Kassen. Ein Milliardengeschäft für die Banker. Doch trotz bescheidener Leistung zahlen sie sich Millionenboni aus und bereichern sich so auf Kosten der Steuerzahler.