Der Metzger und die Apothekerin

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Ihrem Metzger an der Theke und verlangen einen Rindsbraten. Nachdem Sie an der Kasse bezahlt haben, sehen Sie auf einem Plakat, dass es diesen Braten im Selbstbedienungs-Regal auch als Aktion zum halben Preis gegeben hätte.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Sie ärgern sich, weil der Metzger Sie nicht auf dieses Angebot aufmerksam gemacht hat. Sie fühlen sich hintergangen.
Genauso kundenfeindlich verhalten sich viele Apotheker. Sie verkaufen ihren Kunden das wesentlich teurere Originalmedikament, obwohl es ein günstigeres Generikum gibt. Das zeigte ein «Kassensturz»-Test vor zwei Jahren.
Wir legten in fünfzehn Apotheken jeweils ein Arztrezept für den Wirkstoff Omeprazol vor, ein Mittel gegen zu viel Magensäure. Vom Original-Medikament gibt es heute ein Dutzend Generika mit der exakt gleichen Dosierung und dem exakt gleichen Wirkstoff. Einziger Unterschied: der Preis.
Das Generikum kostet wesentlich weniger als das Original. Ernüchterndes Test-Resultat: Dreizehn von fünfzehn Apotheken verkauften uns das teurere Originalpräparat, nur weil sie mehr daran verdienen. Sie drehten ihren Kunden absichtlich das teurere Produkt an, obwohl es das gleiche Medikament viel günstiger gibt.
Aber es geht auch anders: Vor drei Tagen ging ich in meine Quartierapotheke in Zürich Wipkingen. Ich brauchte Kopfschmerztabletten und verlangte nach Aspirin. Die Apothekerin machte mich darauf aufmerksam, dass es dazu auch ein Generikum gebe, Asa Tabs, das nur halb so viel koste wie Aspirin.
Gerne nahm ich ihr Angebot an. Sie hätte mir auch Aspirin verkaufen können, ich verlangte ja danach. Aber sie überlegte sich, was für ihren Kunden wohl das Richtige ist. Und kam zum Schluss: Das Beste für mich ist das gleiche zum günstigeren Preis. Auch wenn sie weniger daran verdiente. Das nenne ich Kundenfreundlichkeit.