Frau Schärer und die Manager

Ohne Frau Schärer und ihre Kolleginnen wäre der «Kassensturz» nur halb so gut. Diese Frauen arbeiten im Personalrestaurant des Schweizer Fernsehens.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Jeden Morgen hole ich mir dort einen Cafe Latte, ein einzigartiger Moment, der über Gelingen oder Misslingen des Tages entscheidet. Frau Schärer ist immer gut gelaunt, ein liebes Wort von ihr, ein lustiger Spruch – und der Tag ist gerettet. Sie ist wichtig für den «Kassensturz». Ohne sie und ihre Kolleginnen gäbe es keinen Ort in Leutschenbach, wo man einmal abschalten kann. Sie tragen mit ihrer Freundlichkeit zum Erfolg des «Kassensturzes» bei. Trotzdem bekomme ich mehr Lohn als sie. Ist das gerecht?

Für mich ist klar: Wer tüchtig ist, soll viel verdienen. Der finanzielle Anreiz, sich besonders anzustrengen, schafft herausragende Leistungen. Wer viel arbeitet, muss dafür belohnt werden. Das ist gut so. Und soll für alle gelten. Frau Schärer und ihre Kolleginnen leisten viel – und verdienen zu wenig. Dabei sind sie wichtig für den «Kassensturz». So wichtig wie die Putzfrauen, die täglich unsere Büros reinigen. Oder die Kameramänner, Cutterinnen, Assistentinnen. Sie alle helfen mit, eine gute Sendung zu produzieren. Niemand ist entbehrlich. Niemand kann ausrechnen, wer wie viel dazu beiträgt, dass am Ende ein erfolgreiches Produkt entsteht. Deshalb dürfen die Lohnunterschiede nicht gross sein.

Ich staune immer wieder darüber, wie Vasella oder Ospel behaupten können, sie hätten 20 oder 30 Millionen Franken verdient. Nicht einfach kassiert, sondern redlich verdient. 400 Mal so viel wie andere Menschen. Sie sagen das, ohne rot zu werden. Sie glauben es offenbar wirklich.

Eine Hoffnung bleibt: Für Menschen, die von sich sagen, sie seien 400 Mal mehr Wert als andere Menschen, oder sie seien Napoleon oder Gott, für diese Menschen hat die Pharmaindustrie wirksame Medikamente entwickelt.