Geheimsitzung der Arzneimittel-Lobby

Protokoll einer geheimen Sitzung, wo sich Pharmavertreter mit Ärzten und Apothekern getroffen haben.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

«Unsere Strategie hatte Erfolg», sagte der Pharmavertreter stolz in einer Geheimsitzung, «im vergangenen Geschäftsjahr verkauften wir Arzneimittel für viereinhalb Milliarden Franken. Ein Plus von 6,4 Prozent.» Er hob sein Weinglas und leerte es in einem Zug.
 
 «Kein Wunder», rief einer aus der Apothekerzunft, «jeder Schweizer verbrauchte im Schnitt 27 Packungen.»
 
 «Soviel», lachten alle, «wenn wir so weitermachen, werden wir noch als Giftmörder angeklagt.»
 
 «Naja, ganz soviel schlucken sie auch nicht», sagte der Apotheker, «die Hälfte davon schmeissen die Leute in den Abfall.»
 
 «Aber wir verdienen daran», sagte ein Arzt und schob sich zufrieden ein Lachsbrötchen in den Mund.
 
 «Vielleicht nicht mehr lange», sagte der Pharmavertreter, «die Krankenkassen machen Druck. Sie verlangen mehr Wettbewerb.»
 
 «Scheusslicher Gedanke, da gehen doch unsere Umsätze zum Teufel», sagte der Apotheker nervös.
 
 «War ein Scherz», grinste der Pharmavertreter, «die Politiker stehen auf unserer Seite.»
 
 «Und was ist mit unseren Scheininnovationen?», fragte ein anderer, «es fliegt doch irgendwann einmal auf, dass wir alte Mittel durch neue ersetzen, die gar nicht besser wirken, aber viel teurer sind.»
 
 «Unsere Marketingabteilungen haben das im Griff», beruhigte der Pharmavertreter, «wir haben alles getan, um davon abzulenken, dass wir kaum mehr als Verpackung und Name geändert haben.»
 
 «Das war eine geniale Idee», sagte ein Arzt, «aber wir geben uns auch alle Mühe, möglichst viel davon zu verschreiben.»
 
 «Und viel selbst zu verkaufen», rief ein Apotheker.
 
 «Streitet euch nicht», sagte der Pharmavertreter, «wir verdienen alle daran.»