Hokuspokus mit Grander-Wasser

Der Dorfpriester steht hinter dem Altar. Er nimmt eine Oblate aus der silbernen Schale und murmelt die Worte: «Hoc est corpus meum.» Dies ist mein Leib. Augenblicklich verwandelt sich die Oblate in den Leib Christi.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Im Mittelalter verstanden die Dorfbewohner die Worte des Priesters nicht. Sie merkten nur, dass etwas Unerhörtes im Gange war: Ein Stück Brot wird durch ein Wort in den Leib Christi verwandelt. Und dieser durfte nicht einfach so gegessen werden. Nur dem Priester war es damals vergönnt, davon zu kosten. Ein Mysterium. Für die einfache Dorfbevölkerung klangen die schnell geflüsterten Worte «Hoc est corpus meum» des Priesters wie «Hokuspokus».
 
 Das «Hoc est corpus meum» der Kirche ist ein eindrücklicher symbolischer Akt. Der Hokuspokus von Johann Grander dagegen ist ein Schwindel. Er verwandle Wasser in ein Lebenselixier, sagt er. Der Tiroler hat vor 30 Jahren in einem Kupferbergwerk eine Quelle entdeckt. Das Wasser von dort reichere er mit geheimnisvollen Informationen an. Dieses sei dann belebt und strahle die Informationen an seine Umgebung ab, die dadurch ebenfalls verwandelt würde. Die Anleitung dafür habe ihm Jesus einst persönlich überbracht.
 
 Der Hokuspokus mit dem Wasser hat Grander reich gemacht: 16 Millionen Franken setzt seine Familie jedes Jahr um. 35'000 Schweizer haben einen Grander-Kasten an die Wasserleitung montiert. Selbst Schwimmbäder kaufen seine geheimnisvollen Anlagen, die gewöhnliches Badewasser in informiertes Grander-Wasser verwandeln sollen. Damit könnte der Chlorgehalt reduziert werden, die Gäste würden das Wasser als angenehmer empfinden. 240 Schwimmbäder in der Schweiz glauben an den Hokuspokus und zahlten für eine Grander-Anlage bis zu 80'000 Franken. Auch 15 öffentliche Bäder. Granders Hokuspokus hat den Steuerzahler viel Geld gekostet.