Kapuzineräffchen, Kokain und Konsumentinnen

Viele Kunden reagieren mit glänzenden Augen, wenn sie Rabatte, Ausverkaufspreise oder Sonderangebote sehen.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Ihr Herz schlägt schneller, die Pupillen weiten sich, beide Hände werden feucht. Sie atmet heftig, als sie im Schuhgeschäft den orangefarbenen Aktionspreis für ein Paar entzückende Lederstiefelchen entdeckt. Wie diese Kundin reagieren viele bei Rabatten, Ausverkaufspreisen oder Sonderangebote.

Hirnforscher haben entdeckt, so habe ich gelesen, dass Schnäppchen in bestimmten Hirnregionen ein wahres Feuerwerk auslösen, wie sonst nur der Kokainkonsum. Gratisangebote führen bei Kundinnen gar zu rauschartigen Zuständen. Viele greifen zu, ohne zu überlegen. Dieses irrationale Verhalten ist nur schwer zu verstehen. Denn eines ist klar: Kein Warenhaus macht Geschenke. Jeder Aktionspreis dient nur dazu, den Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Jedes Schnäppchen muss teuer bezahlt werden.

Einziger Trost: Kapuzineräffchen machen es nicht besser. Das haben wissenschaftliche Tests bewiesen. Auch Primaten lassen sich von Rabattaktionen verführen. In einem Experiment bot ein Wissenschaftler den putzigen Äffchen drei Weintrauben an. Dafür mussten die Tiere mit einer Münze bezahlen. Doch meistens bekamen die Äffchen nur eine Traube. Ein anderer Wissenschaftler gab ihnen für die gleiche Münze zuverlässig zwei Trauben. Die Kapuzineräffchen bekamen bei ihm also mehr für ihr Geld. Trotzdem wählten die Primaten den Wissenschaftler, der ihnen hin und wieder drei Trauben gab. Sie waren scharf auf den Kick, ab und zu einen Rabatt zu bekommen. Auch wenn sich das letztlich nicht lohnte.

 Diese Woche werde ich ein orangefarbenes Aktionsschild auf mein Badezimmerschränkchen kleben. Ich freue mich auf den Kick, der hoffentlich zuverlässig einfährt, wenn ich morgens in den Spiegel schaue und das Schild sehe.