Kirchen sind Klimasünder

Die beiden Landeskirchen tun nur wenig gegen die Umweltzerstörung.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Mein Lieblingspfarrer ist Don Camillo (1952 gespielt von Fernandel), der sich immer wieder mit dem Bürgermeister Peppone anlegt. Don Camillo hat das Herz auf dem rechten Fleck. Er ist schlagkräftig, krempelt die Ärmel hoch und packt mit an. Als das kleine italienische Dorf bei einem Unwetter überschwemmt wird, kämpft er Schulter an Schulter mit seinem Erzrivalen gegen die Zerstörung. Der katholische Pfarrer hätte sich auch gegen die Klimaerwärmung durch CO2-Abgase eingesetzt. Davon bin ich überzeugt. Ganz anders in der Schweiz.
 
 In der Schweiz gibt es rund 5000 reformierte und katholische Kirchen. In zahlreichen Dörfern finden Gottesdienste mit weniger als 10 Personen statt, Organist und Sigrist inbegriffen. Die Kirchenbänke sind leer. Doch obwohl die meisten wöchentlich nur während Stunden genutzt werden, heizen 80 bis 90 Prozent der Kirchgemeinden durch. Sie verschwenden Energie und Steuergelder. Zwei Beispiele:
 
 Die reformierte Kirche Aarau zählt 6300 Mitglieder. Doch es gehen gerade mal 80 Menschen sonntags in die Kirche. Die Heizkosten für die Kirchenräume betragen 37’000 Franken pro Jahr. Für jeden Gottesdienstbesucher bezahlt die Kirche demnach fast neun Franken, allein für Heizöl. Sonntag für Sonntag. Eine grosse Energieverschwendung.
 
 Die Kirche Tiefencastel wird nur drei Mal pro Woche genutzt – für eine Messe. Dafür verheizt die Kirche jährlich 72’000 Kilowattstunden. Das entspricht umgerechnet der Energie von 30 Litern Heizöl pro Sitzplatz, der aber fast immer leer bleibt. Ohne bauliche Massnahmen, alleine durch das Regulieren der Heizung, könnte die Kirche 30 Prozent der Energie einsparen. Doch der Kirchgemeindepräsident lässt weiterhin auf mindestens 13 Grad durchheizen.
 
 Jährlich verschwenden die Kirchen so 15 Millionen Franken Steuergelder – für sinnloses Heizen. Würden die Kirchen die Heizung regulieren, könnten sie schweizweit jedes Jahr 100 Millionen Kilowattstunden Energie sparen. Eine Stadt wie Schaffhausen könnte damit ein halbes Jahr lang mit Strom versorgt werden.
 
 Die Kirchen sollten von Don Camillo lernen: Er packt dort an, wo es nötig ist. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Energieverbrauch drastisch senken. Dem Klima zuliebe.