Mönchsregeln für unverbesserliche Manager

Im Schnitt existieren Benediktinerklöster fast fünfhundert Jahre, so lange wie kein anderes Unternehmen.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Die erfolgreichsten Wirtschaftsunternehmen in der Schweiz, darüber habe ich an dieser Stelle schon geschrieben, sind Benediktinerklöster. Sie gehen nur selten Konkurs. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Zürich empfehlen deshalb, sich die Benediktiner-Regeln zum Vorbild zu nehmen. Sie seien der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg.
 
 Ein interessanter Gedanke. Aktiengesellschaften sollten sich vom heiligen Benedikt inspirieren lassen und ihre Corporate Governance nach seinen Regeln ausrichten. Wie würde Benedikt Topmanager behandeln, die seit Jahren predigen, dass Gier gut sei? Eine Todsünde. Denn Studien belegen längst, dass überrissene Bonuszahlungen den Unternehmenserfolg schmälern. Lohnexzesse mit ihren falschen Anreizen reissen die Weltwirtschaft nicht zum ersten Mal in den Abgrund. Trotzdem haben viele Firmenchefs nichts daraus gelernt.
 
 Über die Unverbesserlichen, die sich schwere Verfehlungen zu Schulden kommen lassen, schreibt Benedikt: Wenn ein Bruder öfter für ein Vergehen zurechtgewiesen wurde, sich aber nicht gebessert hat, verschärfe man die Strafe, das heisst, er erhalte noch Rutenschläge. Diese Züchtigung soll besonders derjenige spüren, der stolz und überheblich sein Verhalten verteidigen will.
 
 UBS-Chef Peter Kurer sagte nach der milliardenschweren Staatshilfe, dass Boni in «zweistelliger Millionenhöhe» nach wie vor drin lägen. Unverbesserlich. Rutenschläge. Novartis-Chef Daniel Vasella hält die Kritik an überrissenen Boni für «Populismus pur». Mangelnde Einsicht. Kräftige Rutenschläge.
 
 Wenn auch Züchtigungen nicht helfen, greift Benedikt zu dem, was noch stärker wirkt: Er und alle Brüder beten für den kranken Bruder.