Plädoyer für den Einsatz der versteckten Kamera

Mit der versteckten Kamera deckte «Kassensturz» krasse Missstände auf. Doch das ist jetzt nicht mehr möglich.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Versicherungsvertreter ziehen einer Kundin das Geld aus der Tasche und schwatzen ihr unnötige Produkte auf. Handwerker stellen einer alten Frau überrissene Rechnungen aus für Pfuscharbeit. Und Schönheitschirurgen sind bereit, einer Teenagerin mit makellosem Körper Fett abzusaugen und ihre Brüste zu vergrössern. Alle diese Fälle – und noch viele mehr – deckte «Kassensturz» mit der versteckten Kamera auf.

Nur mit den Aufnahmen der versteckten Kamera – und nur damit – konnten wir beweisen, dass viele Schönheitschirurgen ungenügend über Risiken aufklären und die Gefahren einer Operation herunterspielen. Wir konnten belegen, dass sich der bekannte Schönheitschirurg Peter Meyer-Fürst selbst in den höchsten Tönen rühmt und dabei verschweigt, dass ihm schon etliche Operationen misslungen sind.
 
Nur mit der versteckten Kamera konnten wir dokumentieren, dass Handwerker lausige Arbeit machen und die Hilflosigkeit einer alten Frau schamlos ausnützen.
 
Und nur mit der versteckten Kamera konnten wir den Missstand in der Branche der Versicherungsvertreter aufdecken. Anders ging es nicht. Ohne diese Aufnahmen hätten wir keinerlei Beweise gehabt, wie schlecht diese Vertreter wirklich arbeiten. Der Einsatz hat sich gelohnt. Nicht zuletzt wegen unseres Beitrages hat der Bund das Gesetz verschärft. Heute kann nicht mehr jeder ohne entsprechende Qualifikation Versicherungen verkaufen.
 
Das Obergericht in Zürich hat den Einsatz der versteckten Kamera grundsätzlich verboten. Es bestehe nie ein Rechtfertigungsgrund für verdeckte Aufnahmen, sagten zwei der drei Richter. Das sehe ich völlig anders. Und das Bundesgericht hoffentlich auch.