Samichlaus beschenkt die Aktionäre

Mit gütiger Miene stehen sie da, zu Tausenden, in rotes Aluminiumpapier gewickelt, mit einem Glöcklein um den Bauch. Die Samichläuse von Lindt.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Das Weihnachtsgeschäft läuft auf Hochtouren. In der Schokoladenfabrik in Kilchberg arbeiten die Angestellten rund um die Uhr im Schichtbetrieb. Sie produzieren Schokolade und Pralinen in edler Verpackung. In der Weihnachtszeit macht die Firma Lindt und Sprüngli ein Drittel ihres Umsatzes. Die Aktionäre reiben sich die Hände. Die Schokoladenfabrik hat den Umsatz in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, der Aktienkurs kletterte nach oben, der Unternehmensgewinn nahm zu. Die Aktionäre streichen Dividenden ein, der Wert ihrer Papiere steigt und steigt.
 
 Eine Aktie von Lindt und Sprüngli kostete vor zehn Jahren noch 24'000 Franken. Heute ist diese Aktie, mittlerweile in fünf gesplittet, 150'000 Franken wert. Sechs Mal so viel. Kursgewinn: 126'000 Franken. Wer hat dies erwirtschaftet? Der Aktionär? Nein, die Kakao-Pflanzer, Confiseure, Fabrikarbeiter. Doch sie profitieren kaum davon. Arbeiter in der Schokoladenfabrik verdienen weniger als 4000 Franken brutto, plus Schichtzulage. Ihr Reallohn stieg in den letzten Jahren nur wenig. Das ist gewollt: Denn je weniger die Angestellten verdienen, desto mehr Gewinn macht die Fabrik, desto höher steigt der Aktienkurs, umso glücklicher sind die Aktionäre. Für den Kapitalgewinn müssen sie keinen Finger rühren und dafür auch keine Steuern bezahlen. Ganz im Gegensatz zu den Fabrikarbeitern, sie müssen für ihren kleinen Lohn hart arbeiten und dem Fiskus Steuern entrichten. So ist das: Der Staat bestraft die, die etwas leisten. Nur wer etwas hat, der wird belohnt.
 
 Früher brachte der Samichlaus den Armen Geschenke, heute macht er nur die Aktionäre glücklich. Eine traurige Weihnachtsgeschichte.