Störche bringen keine Kinder

Auf dem Land gebären Frauen mehr Kinder als in der Stadt. Und: Auf dem Land leben mehr Störche als in der Stadt. Somit ist erwiesen, dass Störche die Kinder bringe

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Die Fakten lassen nur diese Schlussfolgerung zu. Trotz der bestechenden Logik ist diese Aussage natürlich Quatsch.
 
 Genauso Quatsch ist die Schlussfolgerung, dass höhere Löhne in der Schweiz der Grund sind, warum Detailhändler Markenprodukte teurer verkaufen müssen als in Deutschland. Seit Jahrzehnten hören wir von den Grossverteilern immer wieder die gleiche Leier: Die hohen Löhne seien schuld an der Hochpreishölle. Falsch. Denn für einen Arbeitgeber sind nicht die ausbezahlten Löhne entscheidend, sondern die gesamten Kosten, die ihm seine Arbeiter verursachen. Er kalkuliert, was er für eine real geleistete Arbeitsstunde zahlen muss. In Deutschland sind die Arbeitszeiten wesentlich kürzer als in der Schweiz, die Angestellten haben mehr Pausen, mehr Ferien, mehr Feiertage und sind häufiger krank. Sie sind deshalb weniger produktiv als Schweizer. Zudem sind die Lohnnebenkosten in Deutschland höher. Ergo: Migros, Coop und Denner bezahlen für ihre Angestellten gleich viel wie Aldi oder Lidl in Deutschland. Es ist also ein Irrtum, zu glauben, dass die hohen Löhne in der Schweiz die hohen Preise der Markenprodukte verursachen würden.
 
 Obwohl viele Handelshemmnisse abgebaut wurden und das Cassis de Dijon-Prinzip gilt, sind viele Preise in der Schweiz nach wie vor überhöht. Schuld daran ist der fehlende Wettbewerb. Der Markteintritt von Aldi und Lidl hat daran nur wenig geändert. Die Discounter lassen die beiden Grossen in Ruhe, sie attackieren Coop und Migros nicht mit Tiefstpreisen. Warum sollten sie auch? Es ist bequemer, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen. So verdienen alle mehr. Auf Kosten der Konsumenten. Selbst Lidl Schweiz verkauft seine Markenprodukte deutlich teurer als der grosse Bruder Lidl Deutschland.
 
 Wo der Wettbewerb spielt, sind die Preise tief. Für Computer und andere elektronische Geräte bezahlen Schweizer am wenigsten. Nirgendwo in Europa sind die Preise so tief. Selbst in Deutschland müssen die Konsumenten für Elektronik mehr bezahlen. Der Grund: In Deutschland wird der Retail von zwei Ketten beherrscht, in der Schweiz hingegen gibt es viele Anbieter, die sich einen Preiskampf liefern. Deswegen sind Computer hierzulande am günstigsten. Trotz der hohen Löhne. Es grüsst der Storch.