Süsse Medizin Managed Care

Mittlerweile sind zwei von drei Ärzten mit eigener Praxis Spezialisten. Viel zu viele. Trotzdem können sie nach wie vor enorme Einkommen generieren. Das zeigen die neuesten Zahlen vom Ärzteverband (FMH).

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Ein Metzger muss hart arbeiten. Seine Konkurrenz zwingt ihn dazu, er ist nicht der einzige Metzger im Dorf. Sein Betrieb muss sich im Wettbewerb behaupten. Wie viele Würste er verkaufen kann, bestimmt der Markt. Deshalb bietet er seine Waren günstig an.
Ganz anders bei den Aerztinnen und Aerzten. Der Wettbewerb spielt bei ihnen nicht. Radiologen verdienen 383‘000 Franken pro Jahr, Augenärzte bringen es gar auf 388'000 Franken. Noch mehr verdienen Magen-Darm-Spezialisten: 393‘000 Franken.
Die Krankenkassen müssen alles bezahlen. Auch unnötige Leistungen. Denn die Doktoren können selbst bestimmen, wie viel sie verdienen wollen. Je mehr sie verschreiben, desto höher ist ihr Einkommen. Sie sind es, die sämtliche Behandlungen verordnen.
Wenn die Praxis nicht ganz ausgelastet ist, lassen sie ihre Patienten einfach noch  einmal zu einer Nachkontrolle kommen, auch wenn sie sinnlos ist. Die Ärzte können jeden einzelnen Handgriff in Rechnung stellen. Sie haben keinerlei Anreize zu sparen. Wozu auch? Sie würden sich nur ins eigene Fleisch schneiden.
Viel verschreiben, viel kassieren. Daran krankt das Gesundheitssystem. Und das treibt die Prämien nach oben.
Um Kosten zu sparen hat das Parlament deshalb heute eine Vorlage verabschiedet,  der Versicherte mit einem tieferen Selbstbehalt belohnt, wenn sie einem sogenannten Managed Care Modell beitreten, also beispielsweise einer HMO-Gruppenpraxis. Dort verdienen die Ärzte nicht an den einzelnen Leistungen, sie können ihr Einkommen also nicht mit sinnlosen Behandlungen steigern.
Die Gruppenpraxis spart Kosten, weil die Ärzte ganzheitlich für ihre Patienten sorgen. Die Ärzte besprechen schwierige Fälle gemeinsam, das steigert die Qualität der Behandlung. Zudem nehmen sie regelmässig an Qualitätszirkeln teil. Muss ein Patient ins Spital, kümmern sich die Ärzte auch dann um ihn.
Innerhalb der Gruppenpraxis kann der Patient seinen Arzt oder seine Ärztin wählen. Aber nur dort. Sonst büssen die Versicherten die freie Arztwahl ein. Wer krank ist, darf nicht von sich aus zu einem teuren Spezialisten gehen, der womöglich unnötige Untersuchungen durchführt. Das spart Kosten.
Trotz dieser Vorzüge wollen Ärzte die Managed-Care-Vorlage mit einem Referendum bekämpfen. Das ist verständlich. Sie fürchten um ihre Pfründe. Unverständlich ist es jedoch, dass auch die SP die Vorlage bekämpft – Hand in Hand mit den topverdienenden Spezialisten. Denn das Managed-Care-Modell bremst den Prämienanstieg für alle. Und das ist sozial.