Wucherpreise der Pharmaindustrie

Der Preis eines Produktes setzt sich zusammen aus Entwicklungskosten, Produktionskosten, Vertriebskosten, Marketingkosten und etwas Gewinn für das Unternehmen. Denken Sie das?

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Es ist herzig, dass Sie so denken. Ich mag Sie deswegen. Denn so denken anständige Menschen. So denke auch ich. Doch der Markt ist nicht anständig. Der Markt ist kaltschnäuzig. Unanständig, ja gar perfid, handelt die Pharmaindustrie. Sie verlangt für ihre Medikamente Wucherpreise, die absolut nichts mit den Kosten zu tun haben.

Ein Beispiel: Das Rheuma- Mittel Voltaren von Novartis. Viele Menschen brauchen dieses Medikament, weil sie Schmerzen haben. 20 Tabletten Voltaren, 50 mg, kosten in der Schweiz 8.70 Franken (mit Apothekertaxen 15.00 Franken). In der Schweiz entwickelt und hergestellt. Die Krankenkassen, also wir Prämienzahler, müssen dieses Mittel bezahlen.

Das gleiche Medikament, das Original von Novartis, kein Generikum, kostet in Spanien umgerechnet 1.60 Franken. Für diesen Preis gibt es allerdings doppelt so viele Tabletten, nämlich 40. Für Voltaren bezahlen Schweizer also mehr als zehn Mal soviel wie Spanier. ZEHN MAL SOVIEL. Und glauben Sie mir. Auch in Spanien macht Novartis mit Voltaren ein gutes Geschäft.

Wer ist schuld an den Wucherpreisen? Die Pharmaindustrie, die Grossisten, Apotheker oder Ärzte? Alle. Sie alle nutzen unsere Krankheit und unsere Schmerzen schamlos aus. Doch am Anfang steht die Pharmaindustrie. Novartis verlangt für Voltaren von den Apothekern in der Schweiz einen Fabrikabgabepreis von 4.00 Franken. Das ist fünf Mal soviel wie der Endverkaufspreis, den Kunden in einer spanischen Apotheke bezahlen. FÜNF MAL SOVIEL. Ein Wucherpreis.

Das Gesetz sieht vor, Wucherer hart zu bestrafen. Im Strafgesetzbuch, Artikel 157 steht: Wer die Zwangslage einer Person dadurch ausbeutet, dass er sich Vermögensvorteile gewähren lässt, die zur erbrachten Leistung in einem offenen Missverhältnis stehen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft. Handelt der Täter gewerbsmässig, so wird er mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren bestraft. Novartis beutet kranke Menschen in einer Notlage aus. Gewerbsmässig. Novartis-Chef Daniel Vasella gehört ins Gefängnis.