Zuckerrübenbauern züchten Kobras

Schweizer Bauern haben in diesem Jahr Zucker überproduziert, angespornt durch staatliche Subventionen.

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Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Während der Kolonialzeit litt Indien unter einer Kobra-Plage. Der englische Gouverneur setzte deshalb eine Prämie für jeden Schlangenkopf aus. Die Inder sollten Kobras jagen, um die Plage einzudämmen. Doch die Inder waren schlau. Es war harte Arbeit, Kobras zu fangen, und gefährlich noch dazu. So begannen sie, Kobras zu züchten. Das war lukrativer. Nach dieser Zeit gab es in Indien mehr Kobras als je zuvor. Der Gouverneur hatte es gut gemeint, doch der finanzielle Anreiz bewirkte das Gegenteil.
 
 Diese von Professoren gern erzählte Anekdote beeindruckt viele Studenten der Volkswirtschaftslehre ungemein: Der Staat solle sich zurückhalten, das sei oft besser, als wenn er eingreifen würde. Stimmt. Stimmt. Ein kleines Beispiel:
 
 In diesem Jahr haben Schweizer Bauern soviel Zuckerrüben produziert wie nie zuvor, die dritte Rekordernte in Folge. Viel zu viel. Der überschüssige Zuckerberg muss deshalb in zugemietete Hallen gelagert werden. Allein das kostet Millionen. Schuld an der Misere sind staatliche Subventionen. Sie fördern die Überproduktion.
 
 Dabei wäre der Import von Zucker aus Übersee wesentlich billiger, Konsumenten müssten für Süssigkeiten weniger bezahlen. Doch Importzölle erschweren es, dass ärmere Länder ihre Agrarprodukte in der Schweiz verkaufen können. Das ist unfair. Aber bürgerliche Politiker tun alles, um den Markt abzuschotten.
 
 Kommt dazu: Die Ökobilanz von Zucker aus Brasilien oder Paraguay ist deutlich besser als von Schweizer Zucker. Der CO2-Ausstoss ist 40 Prozent geringer, trotz des Transportes mit dem Schiff. Der Grund: Der Anbau von Zuckerrohr braucht keinen Dünger, keine Pestizide und kaum Maschinen.
 
 Der englische Gouverneur in Indien hat die Subventionen abgeschafft, Schweizer Politiker dagegen lassen weiterhin Kobras züchten.