Falle Gratissoftware: Neue Abzocke mit verstaubten Mahnungen

Vor fünf Jahren überfluteten Internetabzocker die Schweiz über die Internetseite opendownload.de mit ungerechtfertigten Rechnungen. Dann war lange Zeit Ruhe. Doch nun versuchen sie erneut, Geld einzutreiben. «Espresso» sagt, was Sie tun können.

Ein Mann schaut erstaunt auf einen Brief Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele Schweizer haben in den letzten Tagen unangenehme Post aus Deutschland erhalten. Colourbox

Bereits 2009 und 2010 hat «Kassensturz» vor den Machenschaften von Alexander Varin, Olaf Tank, Andreas und Jan Manuel Schmidtlein gewarnt (siehe Box «Mehr zum Thema»). Sie sind als Betreiber von zahlreichen Internetseiten bekannt, auf denen mit vermeintlichen Gratisangeboten gelockt und dann abkassiert wird.

Verrechnete Software gibt es anderswo gratis

In der Schweiz tappten damals viele Internetuser in eine solche Abofalle, gestellt auf der Seite www.opendownload.de. Die Masche: Auf der Seite wurde bekannte Software wie zum Beispiel der PDF-Creator zum Download angeboten. Wer das tat, bekam bald eine Abo-Rechnung. Ärgerlich!

Denn die meisten dort angebotenen Programme sind bei der Originalquelle gratis erhältlich. Viele «Kassensturz»-Zuschauer baten um Hilfe, denn wer nicht gleich bezahlte, bekam eine happige Inkasso-Forderung von einem deutschen Anwaltsbüro.

Die Betreiber haben mittlerweile diverse Gerichtsverfahren durchlaufen. In Österreich wurden sie im Zusammenhang mit einer ähnlichen Internetseite zu Schadenersatz verurteilt. Aktuell ist beim Landgericht Darmstadt (D) ein weiteres Verfahren hängig. Der Vorwurf: Gewerbsmässiger Betrug zwischen September 2008 und Februar 2010 – unter anderem auf der Internetseite www.opendownload.de.

Nach fünf Jahren Funkstille plötzlich letzte Mahnung

Diese Internetseite existiert heute noch. Mittlerweile ist immerhin relativ gut sichtbar, dass Kosten anfallen. Aber die Seite scheint dadurch nicht mehr zu rentieren. Denn mindestens einer der Betreiber holt zurzeit zu einem neuen Streich aus: Er hat die alten Rechnungen kurzerhand wieder ausgegraben und verschickt nun – vier beziehungsweise fünf Jahre später – frischfröhlich und aus heiterhellem Himmel letzte Mahnungen mit Inkasso-Androhung. Der Absender: Tropmy Payment GmbH. Geschäftsführer: Andreas Schmidtlein, ein alter Bekannter.

In der «Kassensturz/Espresso»-Redaktion treffen aktuell wieder haufenweise Briefe von fassungslosen Zuschauern ein. Sie haben diese leidige Angelegenheit schon lange ad Acta gelegt und vergessen und fragen sich nun: Muss ich wirklich bezahlen? «Kassensturz/Espresso» sagt: Nein!

Tun Sie Folgendes:

  • Bezahlen Sie die Rechnung auf keinen Fall!
  • Bestreiten Sie – am besten per Einschreiben – die Forderungen und teilen Sie dem Inkasso-Büro mit, dass Sie auf weitere Korrespondenz nicht mehr reagieren werden. (Einen entsprechenden Musterbrief finden Sie in der grauen Service-Box)
  • Falls Sie weitere Schreiben erhalten: Ignorieren Sie diese. Bisher ist in der Schweiz kein Fall bekannt, bei dem eine Betreibung eingeleitet wurde.
Video «Abofalle «Gratissoftware»: Wie man sich wehrt» abspielen

Abofalle «Gratissoftware»: Wie man sich wehrt

2:02 min, aus Kassensturz vom 2.2.2010