Immer mehr Alten-Pfleger aus dem Ostblock

Immer mehr Angehörige von älteren Menschen wenden sich an Firmen, die ihnen eine Betreuerin aus dem Ausland vermitteln. So können ältere Menschen noch lange in den eigenen vier Wänden wohnen, und die Angehörigen sind entlastet. Aber Vorsicht: Es tummeln sich viele illegale Firmen in dieser Branche!

Heim-Krankenpflege Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Pflege zu Hause ist oft billiger als im Heim. Keystone

Es sind mehrere tausend Menschen, die auf diese Weise in der Schweiz betreut werden. Genaue Zahlen existieren nicht. Allerdings sieht man beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Zunahme solcher Betreuungsformen.

Das Seco erteilt Vermittlungsfirmen mit Sitz in der Schweiz eine Bewilligung, wenn diese die Bedingungen erfüllen. Das heisst, wenn sie den Betreuerinnen Verträge mit Mindeststandards bieten.

«Wer eine illegale Firma beauftragt, macht sich ebenfalls strafbar»

Zuständig für diese Vermittlerfirmen beim Seco ist Ueli Greub, Ressortleiter Vermittlung und Verleih. Er warnt ausdrücklich vor schwarzen Schafen in der Branche: «Betriebe, die sich aus dem Ausland in der Schweiz betätigen und Betreuungspersonen vermitteln, sind illegal tätig. Und Privathaushalte, die solche Betreuerinnen anstellen, machen sich somit ebenfalls strafbar und müssen mit Sanktionen rechnen.» Eine Liste mit den rund 50 legalen Vermittlerfirmen liegt beim Seco auf.

Pilotprojekt der Caritas mit fairen Verträgen

Im Herbst 2012 hat die Caritas Schweiz mit ihrer Partnerorganisation Caritas Rumänien das Projekt «In guten Händen» auf die Beine gestellt. Projektleiter Beat Vogel erzählt, dass diese Caritas-Organisation einen grossen Spitex-Betrieb in Siebenbürgen führt: «Die Betreuer, die für drei Monate in die Schweiz kommen, arbeiten in diesem Betrieb und kehren anschliessend auch wieder dahin zurück.»

Vor der Abreise in die Schweiz besuchten sie einen Deutschkurs während zwei Monaten. In der Schweiz sei schliesslich eine wichtige Voraussetzung, dass mit den Angehörigen ein Betreuungsplan festgelegt werde, mit Betreuungszeiten und klarer Freizeit. «Caritas Schweiz stellt für jede Betreuung eine Bezugsperson zur Verfügung, die rund um die Uhr für alle Beteiligten erreichbar ist bei Problemen».

Qualität hat ihren Preis

Beim Projekt «In guten Händen» bezahlt der Auftraggeber rund 5500 Franken. Nach Abzug von AHV/IV und aller Lebenskosten bleiben den Betreuerinnen rund 2700 Franken, die sie nach Hause überweisen können.

Sendung Doppelpunkt: «Die Aschenputtel aus dem Osten»

Sie kommen von Polen, Ungarn oder Bulgarien in die Schweiz. Als Hausbetreuerinnen versorgen sie hier Senioren rund um die Uhr in deren eigenen vier Wänden. Die Pendelmigrantinnen bleiben einen Monat hier und fahren für einen Monat wieder zu ihren Familien in Osteuropa zurück.

Mehrere tausend Frauen aus Osteuropa arbeiten in Schweizer Haushalten in der Altersbetreuung. Die 24-Stunden-Betreuung ist harte Arbeit - oft zu hart. Doch darüber reden mochte bis heute keine der Frauen.

Zu gross ist die Angst vor Jobverlust. «Wir gelten hier als Menschen 2. Klasse», sagen Bozena, Elisabetha und Kristina, welche aller Angst zum Trotz im Doppelpunkt das erste Mal über ihr Leben und Arbeiten in der Schweiz erzählen.

  •  Heute, 20:03 Uhr, Radio SRF 1