«Doggy Bags» in der Schweiz chancenlos

Es ist mehr als klar: «Espresso»-Hörer fordern mehr Engagement der Restaurateure in Sachen Lebensmittelverschwendung. In einer Abstimmung sagen 90 Prozent der User, Wirte sollen aktiv einen Doggy Bag für Essensreste anbieten. Eine offenbar überflüssige Forderung.

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Bildlegende: Ist in den USA üblich: Essen aus Restaurants mitzunehmen. zvg

«In unseren Lokalen kommt es sehr selten vor, dass wir überhaupt Essensreste auf den Tellern antreffen», sagt Daniel Müller. Er ist Geschäftsleiter der «Bindella»-Unternehmungen.

«Wir erleben einen Trend zu immer kleineren Portionen. Bei Pizzen am Familientisch kann es aber schon einmal vorkommen, dass etwas übrig bleibt. Selbstverständlich packen wir die Reste dann gern für den Gast ein.»

Einpacken auf Anfrage? Aber gerne.

Auch bei anderen Gastro-Unternehmen tönt es auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 ähnlich. Zum Beispiel bei den «Molino»-Restaurants. Man habe für alle Arten von Speisen passendes Verpackungsmaterial, um Reste den Gästen mitzugeben.

Und weiter schreibt das Unternehmen: «Um Abfälle zu reduzieren, bieten wir ausserdem von fast allen Gerichten verschieden grosse Portionen an.»

Doggy Bag – keine Tradition

Dass es in der Schweiz nicht üblich ist, die Essensreste mitzunehmen, hat verschiedene Gründe. «Wir haben eine ganz andere Esskultur», sagt Mirjam Hauser, Trendforscherin am «Gottlieb Duttweiler Institut» in Rüschlikon.

Bei uns sei es einfach nicht üblich, mit einem Säcklein aus dem Restaurant zu gehen, so wie beispielsweise in den USA oder in Kanada. Dazu komme, dass wir gelernt haben, den Teller leer zu essen.

Dass sich die «Espresso»-Hörer trotzdem so stark für das Doggy-Bag-System aussprechen, erklärt Mirjam Hauser so: «Das ist ein klassischer Effekt, dass bei einer Befragung die Leute ihre gute Absicht kundtun wollen.

Also in diesem Fall: Die Leute wollen unbedingt verantwortungsbewusst mit Lebensmitteln umgehen. Ob sie aber in der realen Situation tatsächlich so handeln würden, ist eine andere Frage.»

Neue Wege mit organischen Abfällen: Bio Trans-System

Beim Gastro-Betrieb «Candrian Catering AG» geht man seit ein paar Jahren bewusst einen anderen Weg mit den Lebensmittelabfällen. Geschäftsleiter Claudio Bieri erklärt gegenüber «Espresso»: «Wir sammeln seit ein paar Jahren in fünf Betrieben unsere organischen Abfälle in Bio Trans Anlagen.

Diese werden dann geleert und in den entsprechenden Anlagen zu Biogas verarbeitet.» Und dieses wird dann in die Energieversorgung eingespiesen. Natürlich erhalte ein Gast seine Essensreste auf Wunsch verpackt, aber um nicht noch mehr Verpackungsmaterial in den Umlauf zu bringen, verzichte man bewusst auf ein aktives Anbieten dieser Möglichkeit.

«Doggy Bags» in Schweizer Restaurants

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