Catwalk im Kleiderladen

Millionen Frauen schleppen ihre Männer alle paar Wochen zum Shopping in die Boutique, obwohl das Vorhaben die Männer jedes Mal in Verlegenheit bringt. Denn sie kommen sich dabei vor wie in einem Loriot-Film.

Wolfgang Wettstein Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Frau: "Wie findest du das Kleid?"
Mann: "Welches?"
Frau: "Das ich anhabe."
Mann: "Besonders hübsch."
Frau: "Oder findest du das grüne schöner?"
Mann: "Das grüne?"
Frau: "Das Halblange mit dem spitzen Ausschnitt."
Mann: "Nein."
Frau: "Was 'nein'?"
Mann: "Ich finde es nicht schöner als das, was du anhast."
Frau: "Du hast gesagt, es stünde mir so gut."
Mann: "Ja. Es steht dir gut."
Frau: "Warum findest du es dann nicht schöner?"
Mann: "Ich finde das, was du anhast, sehr schön, und das andere steht dir auch gut."
Undsoweiter undsofort.

Wolfgang Wettstein Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wolfgang Wettstein SRF

Ein Mann spürt schmerzlich, dass er keine Hilfe ist beim Shopping. Er kommt sich nutzlos vor wie sonst nie. Wenn seine Frau mit einem Arm voll Klamotten in die Umkleidekabine geht, bringt ihn das noch zusätzlich in eine unangenehme Situation. Denn oft sind die Kabinen neben der Damenwäscheabteilung untergebracht. So steht er verloren zwischen Büstenhalter und Spitzenhöschen, während er auf seine Frau wartet. Verkäuferinnen und Kundinnen schauen ihn an mit strengem Blick, betreten blickt er zu Boden, er kommt sich ertappt vor, obwohl er nichts getan hat.

Liebe Warenhäuser, Boutiquen und Kleiderläden. Ich gebe euch einen Tipp, wie ihr uns Männer beim Shoppen mit unseren Frauen helfen könnt und dabei erst noch den Umsatz steigert. Installiert vor der Umkleidekabine einen Laufsteg. Drumherum stehen Clubtischchen und bequeme Plüschsessel, auf denen Männer Platz nehmen können, deren Rücken vom Stop- and-Go-Shopping-Schritt bereits jämmerlich schmerzen.

Reicht uns dazu Espresso, Bier oder Weisswein. Während nun unsere Frauen neu eingekleidet den Catwalk entlanglaufen, bei angenehmer Musik, können wir Männer die präsentierte Garderobe angeregt miteinander diskutieren. Auf jedem Tischchen liegen Karten mit Nummern von 1-10, die wir wie die Jury beim Eiskunstlauf nach oben strecken und so den Frauen kundtun, wie uns Kleid oder Bluse gefallen. Jede Frau erfährt sofort, ob sie die richtige Wahl getroffen hat.
Ikea hatte eine ähnliche Idee. Der Möbelkonzern plant in seinen Warenhäusern eine Ecke für Männer einzurichten, mit Flipperautomaten, Töggelikästen und gratis Hotdogs, damit ihre Frauen in Ruhe shoppen gehen können. Na also. Geht doch.