Kritik am Zahlungssystem «Easypay» der Swisscom

Immer wieder haben Konsumenten Gebühren für ein Abo, das sie nie abgeschlossen haben, auf ihrer Handyrechnung. Häufig betrifft dies das Zahlungssystem Easypay von Swisscom. Diese macht so ganz offiziell das Inkasso für Abo-Fallensteller. Seco und Ombudscom setzen die Swisscom deshalb unter Druck.

Die Schlichtungsstelle der Telekommunikations-Branche, Ombudscom, verzeichnet eine Zunahme der Beschwerden über sogenannte Mehrwertdienste: «Und damit auch eine Zunahme der Fälle, die Easypay betreffen», sagt Ombudsmann Oliver Sidler auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1.

Abofallen trotz strengerer Vorschriften

Diese Zunahme sei eigentlich erstaunlich, meint Sidler. Denn seit Juli 2015 gelten schärfere Vorschriften für Mehrwertdienste, die Sex-, Klingelton- und andere Abos vertreiben.

Dennoch rasseln immer wieder Handybesitzer in die Abofalle. Die Ombudscom spielt daher seit Neuestem die Beschwerdefälle Schritt für Schritt durch. Ombudsmann Oliver Sidler stiess dabei auf sogenannten Checkout-Seiten, über

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Easypay sperren

Online im Swisscom-Kundencenter:
Kundencenter> Mobile > Sperrsets

Im MySwisscom-App die Mehrwertdienste blockieren:
Panorama > Abo auswählen > unten rechts auf die drei Punkte «…» klicken > Sperrsets verwalten

welche ein Mehrwert-Abo bestätigt wird, auf diverse Mängel:

  • Die Mehrwert-Anbieter dürfen die Checkout-Seiten von Easypay selber gestalten. Damit ist nicht klar, dass man gegenüber der Swisscom ein Abo bestätigt.
  • Verschiedene Easypay-Checkout-Seiten füllen sich gleich selber aus. Sie übernehmen die Daten von der Swisscom-Sim-Karte. Somit reicht ein unbedachter Klick, um ungewollt ein Abo am Hals zu haben.
  • Infotext und Kaufbefehl zum Abo sind englisch. Beispielsweise steht auf dem Kauf-Button der Begriff «purchase» statt «bezahlen». Viele verstehen solche Begriffe nicht.

Seco rügt die Swisscom

Die Swisscom stellt sich auf den Standpunkt, dass sie die Vorschriften einhalte. Swisscom-Sprecherin Annina Merk meint: «Rechtlich sind diese Checkout-Seiten absolut korrekt.»

«Espresso» hat dem Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, eine Checkout-Seite vorgelegt, welche die Swisscom als gelungen erachtet. Guido Sutter, Leiter Recht beim Seco, rümpft die Nase: «Wenn ich dieses Beispiel anschaue, komme ich nicht drauf, dass ich einen Vertrag gegenüber der Swisscom bestätige.»

Das Seco ist unzufrieden mit der Swisscom und macht deshalb Druck: «Wir bereiten ein Schreiben an die Swisscom vor, in welchem wir verlangen, dass sie dies transparenter macht und auch ihre Verantwortung wahrnimmt.» Immerhin mache die Swisscom das Inkasso für diese Abonnements.

Auch Oliver Sidler von der Ombudscom fordert, dass die Swisscom die kritisierten Punkte verbessert. «Die Swisscom hat eine Verantwortung gegenüber den Kunden. Schliesslich verdient sie auch an diesen Mehrwertdiensten, die über Easypay laufen.»

Die Swisscom selber zeigt sich gegenüber «Espresso» selbstkritisch: «Wir haben festgestellt, dass es noch weitere Massnahmen braucht.»