Backmischungen: Schnell, bequem, aber auch fein?

«Kassensturz» liess acht Fertigbackmischungen für Schokoladenkuchen von einer jungen Fachjury der Berufsschule Aarau degustieren und bewerten. Kein Kuchen konnte überzeugen, einer wurde von den meisten Jurymitgliedern nicht als Schokoladenkuchen erkannt.

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Backmischungen-Test: Schnell, bequem, aber auch fein?

6:54 min, aus Kassensturz vom 19.11.2013

Eins vorweg: vieles bleibt gleich wie beim Backen eines herkömmlichen Kuchens, wenn man zur Fertigbackmischung greift: Eier und Butter muss man dazu kaufen und das Backen im Ofen dauert oft über 60 Minuten.

Der wesentliche Unterschied: beim herkömmlichen Kuchen gibt es eine klare Reihenfolge, in der die Zutaten verarbeitet werden müssen, damit sie sich zu einem gleichmässigen Teig verbinden.

Wer mit Backmischungen bäckt, gibt alle Zutaten in eine Schüssel und vermischt sie gleichzeitig. Die Emulgatoren in den Mischungen (z.T. sind es mehrere in einer Mischung) sorgen dafür, dass sich alle Zutaten verbinden und am Schluss ein Teig entsteht.

Kein Kuchen überzeugt ganz

testerinnen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Jury. SRF

Die strenge Jury (siehe «So wurde getestet») konnte keiner der acht von Kassensturz in die Degustation geschickten Schokoladenkuchen aus Fertigbackmischungen richtig überzeugen.

Die beste Gesamtnote im Test ist eine 4.4 für den Qualité & Prix Schokoladen-Cake von Coop, der einzelnen Jury Mitgliedern recht gut schmeckte. Ebenfalls als «genügend» eingestuft wurden die Schokoladenkuchen von Belbake (Lidl) und Bella (Aldi), beide mit der Gesamtnote 4.1

Blind nicht erkennbar

Der Bio-Schokoladencake von Naturaplan aus dem Coop erhielt mit der Gesamtnote 2.8 die schlechteste Bewertung im Test. Diverse Jurymitglieder machten im Kuchen eine Zutat aus, die ihrer Meinung nach dort nicht hinein gehörte.

«Hätte ich die Augen zu gehabt, hätte ich ihn nicht als Schokoladenkuchen erkannt» bemerkte eine Jurorin. Der irritierende Geschmack mag auf das Amaranth-Mehl in der Mischung zurückzuführen sein, das dem Kuchen eine ungewohnte Note verleiht.

Angekommen ist dieser Geschmack bei den meisten Juroren sehr schlecht, was sie mit den schlechten Noten 1 und 2 zum Ausdruck brachten. Nur zwei von 20 Juroren hat der Kuchen gut geschmeckt.

Coop schreibt Kassensturz, dieses Abschneiden entspreche nicht den eigenen Ansprüchen. Man wolle das Produkt einer kritischen Prüfung unterziehen bzw. die Rezeptur überarbeiten.

Dr. Oetker in Ungarn hergestellt

In der Schweiz hergestellt werden die Backmischungen von Migros (M-Classic und Midor) sowie die aus dem Coop (Qualité&Prix). Die günstigsten Mischungen im Test, Belbake von Lidl, Bella von Aldi und die Denner-Backmischung, sind in Deutschland produziert.

Die teuerste Mischung im Test, die von Dr. Oetker, hat einen deutlich weiteren Weg hinter sich, bis sie die Schweizer Konsumenten erreicht: Sie kommt aus einer Produktion in Ungarn.

So wurde getestet:

Einen Tag vor der Degustation backten Lehrlinge im dritten Lehrjahr Bäcker-Konditoren-Confiseur in EFZ der Berufsschule Aarau die Kuchen exakt nach den Gebrauchsanleitungen auf den Packungen. Sie probierten die Kuchen nach einer sensorischen Schulung durch den Sensoriker Patrick Zbinden und mit Hilfe eines von ihm entworfenen Degustations-Leitfadens mit den Kriterien:

  • Aussehen
  • Geruch/Aroma
  • Geschmack
  • Textur und Konsistenz
  • Nachgeschmack

Die Jury: 20 Lehrlinge im dritten Lehrjahr Bäcker-Konditoren-Confiseur in EFZ der Berufsschule Aarau haben für jeden nach Gebrauchsanleitung gebackenen Kuchen im Blindtest eine Gesamtnote (1 sehr schlecht, 6 sehr gut) vergeben.

Der beste Schokoladenkuchen der Schweiz

Kuchen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Sieger-Kuchen von Andrea Wyss. SRF

Im November 2012 kürte Radio SRF 3 aus eingesandten Schokoladenkuchen Rezepten eines zum Rezept für «den besten Schokoladenkuchen der Schweiz».

Eingeschickt hatte das Siegerrezept Andrea Wyss aus Buchrain, die auch für das Backteam des "Kassensturz"-Tests ihr erfolgreiches Rezept backte. Da dieser Schokoladenkuchen kein Mehl enthält, ist er auch für Kuchen Fans geeignet, die auf Gluten verzichten müssen. Zum Artikel

Zutaten:

  • 300 Gramm Kochschokolade
  • 100 Gramm Butter
  • 100 Gramm Zucker
  • 5 Eier

Zubereitung: Ofen auf 180 Grad vorheizen. Schokolade mit Butter in Pfanne vorsichtig schmelzen lassen. Eigelb schaumig schlagen und 50 g Zucker dazu geben. Eiweiss mit einer Prise Salz steif schlagen und 50 g Zucker einrieseln, nochmals kurz schlagen. Schokolade- Buttermasse zu Eigelb fügen. Eiweiss-Schnee in Schokolade-Eimasse unterheben. Masse in runde Kuchenform von 24 cm Durchmesser geben und ca. 25 Min. bei 180 Grad in der Ofenmitte backen. Achtung: Der Kuchen geht hoch auf und fällt beim Auskühlen wieder zusammen. Mit Puderzucker oder Kakaopulver verzieren oder einfach so geniessen.

Stellungnahmen:

Coop:

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«... insbesondere das Abschneiden des Coop Naturaplanproduktes entspricht nicht unseren Anforderungen und Erwartungen. Wir werden dieses Resultat zum Anlass nehmen und die Produkte einer kritischen Prüfung unterziehen bzw. die Rezepturen überarbeiten.»

Migros: «Ihre Testresultate bzw. Beurteilungen unserer Fertigbackmischungen haben uns überrascht… Bei unseren interne Konkurrenzvergleichen haben unsere Produkte bis anhin immer gut abgeschnitten. Wir können auch keine Zunahme bei den Kundenreklamationen verzeichnen…»

Dr.Oetker: «…Unsere Konsumenten kommen zu einem anderen Ergebnis: Sie haben den Dr. Oetker Schoko Cake in Marktforschungen wiederholt als den besten Schoko Cake der Schweiz bewertet…»