Anti-Zeckenmittel: Auf viele ist wenig Verlass

Wer sich allein auf ein Zeckenmittel verlässt, lebt gefährlich. Ein neuer Test zeigt: Einige Produkte schützen zwar, aber nicht so zuverlässig wie die Hersteller versprechen. «Kassensturz» sagt, welche Mittel wirken und was Spaziergänger gegen lästige Zeckenbisse tun können.

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Anti-Zeckenmittel: Auf viele ist wenig Verlass

5:50 min, aus Kassensturz vom 30.4.2008

Frisches Rinderblut zum Frühstück: Thomas Kröber forscht an der Universität Neuchatel mit exotischen und einheimischen Zecken. Zweimal täglich bekommen die Spinnentiere eine angewärmte Blutmalzeit vom Schlachthof. In der freien Natur ernähren sie sich auch von Menschenblut. «Früher haben die Zecken viel Lieber Hirsche, Rehwild, Mäuse und Eichhörnchen gehabt. Und heute nehmen sie uns, weil wir im Wald so präsent sind», sagt der Forscher.

Taub und blind

Ausgewachsene Zecken messen nur zwei bis drei Millimeter. Mit Blut vollgesogen werden sie so gross wie Erbsen. Zecken sind taub und blind. Sie orientieren sich an der Körperwärme und dem Duft ihrer Opfer. Gewisse Stoffe schrecken Zecken ab. Thomas Kröber: «Was sie überhaupt nicht mögen, sind sogenannte Repellentien, zum Beispiel Deet oder Ebaap, aber auch natürliche Stoffe wie Citriodiol. Zecken meiden Hautstellen, die frisch mit einem solchen Stoff eingesprayt wurden. Sie drehen um, oder lassen sich fallen.»

Die deutsche Stiftung Warentest hat 20 Zeckenmittel auf Wirksamkeit und Hautverträglichkeit getestet. Kein Mittel hat die Note «gut» erhalten. Alle Mittel, also auch die mit natürlichen Rezepturen, können Hautreizungen hervorrufen. Allergiker sollen sich vorgängig über die Wirkstoffe informieren.

In der Schweiz erhältlich sind folgende Produkte: Die Note «befriedigend» erhielten Anti Brumm Naturel mit natürlichen Wirkstoffen, erhältlich in Drogerien, 100 Milliliter kosten 10.40 Franken. Der Spray wirkte drei Stunden lang gegen Zecken. Autan Active Lotion bot zwei Stunden lang einen ausreichenden Schutz. Ebenso Anti Brumm forte. Das Mittel mit dem synthetischen Wirkstoff Deet wirkte während zweier Stunden.

Gefährliche Krankheiten

Für Sportler und Wanderer sind Zecken nicht nur lästig, sie können gefährliche Krankheiten übertragen. Viele Zecken tragen Erreger für Hirnhautentzündung oder Borreliose in sich und geben diese mit ihrem Speichel an die Menschen weiter. Der Zürcher Mediziner Norbert Satz ist skeptisch, was die Wirkung von Zeckensprays betrifft. Er sagt, auf Sprays alleine soll man sich nicht verlassen. Satz empfiehlt grundsätzlich helle Kleidung zu tragen, weil man die Zecken darauf besser sehe. «Dann sollte man feste Schuhe anziehen und die Socken in die Hosen stülpen, denn die Zecken halten sich etwa 40 Zentimeter über dem Boden auf und kommen so an die Beine», erklärt der Mediziner.

Mit der Gesamtnote «ausreichend» abgeschnitten hat Noskito ZeckWeck. Der Spray wirkte bei den Testpersonen im Schnitt noch eineinhalb Stunden. Nur «mangelhaft» erhielten SmellWell BioZeck. Der Spray war zwar zwei Stunden lang wirksam – Abwertung wegen falscher Deklaration. Récopel Sport konnte Zecken anderthalb Stunden lang abschrecken, versprochen waren sechs Stunden. Genau gleich wie Effitan. Care-Plus Natural Deo, mit 32.50 Franken pro 100 Milliliter das teuerste Produkt im Test, wirkte 2,5 Stunden. Aber: Dieses Produkt hat keine Zulassung als Biozid und dürfte nicht verkauft werden.

Vollmundige Versprechen

Auffällig am Zeckenmittel-Test: Die Hersteller versprechen zu viel. Auch Marktleader Antibrumm forte behauptet, der Spray wirke vier Stunden. Im Test gemessen: zwei Stunden. Christina Hertig, Sprecherin von Vifor Pharma, sagt: eigene Tests in einem zoologischen Labor hätten eine hohe Wirksamkeit belegt, die Angabe auf Antibrumm sei vorsichtig bemessen.

Sprays bieten nur bedingt einen Schutz vor einem Zeckenbiss. Was tun, wenn eine Zecke trotz aller Vorsichtsmassnahmen zugebissen hat? Mediziner Norbert Satz: «Das Entscheidende ist, dass man sie möglichst schnell rausnimmt. Je länger sie saugt, desto mehr Erreger kann sie übertragen. Man muss sie nicht vorbehandeln, sondern man zieht sie gerade heraus – ohne Öl und ohne Hitze, nicht quetschen.»