Diese Backhandschuhe lassen Ihre Finger kalt

Im «Kassensturz»-Test zeigt sich: Baumwolle ist kein ideales Material für Topflappen und Backhandschuhe. Die Isolation ist zum Teil lausig. Backhandschuhe aus Kunststoff sind den herkömmlichen Topflappen deutlich überlegen.

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Diese Backhandschuhe lassen Ihre Finger kalt

8:44 min, aus Kassensturz vom 4.9.2012

Schnell ist es passiert: Beim Reinschieben des Gratins in den Backofen berührt die Hand die Seitenwand. Verbrennungen sind schmerzhaft, langwierig und im Extremfall über Jahre sichtbar. In der Küche sollte dies eigentlich nicht passieren: Hantiert man mit dem richtigen Küchenhelfer, sind die Hände geschützt.

Backhandschuhe sind besser

Wie schützt man die Hände am besten? «Kassensturz» hat 12 Topflappen und Backhandschuhe getestet. Neben der Wärmeisolation hat das Prüflabor Ipi in Stuttgart (Deutschland) auch getestet,

  • ob das Material auch in feuchtem Zustand isoliert,
  • ob das Material brennbar ist und
  • ob die Helfer auch angenehm in der Handhabung sind (Details siehe unten, «So wurde getestet»).

Fazit: Backhandschuhe schneiden generell besser ab. Sie haben den Vorteil, dass sie die Hand rundum schützen. Und weil sie in der Regel nicht aus Baumwolle gefertigt sind, sondern aus besser isolierendem Material, schützen sie auch besser vor Hitze.

Üble Isolation bei nassen Topflappen

Der einzige Handschuh, der durchfällt, ist denn auch einer aus Baumwolle: «Topfhandschuh uni» der Marke Lavana. Er isoliert schlecht, und wenn er feucht wird – was in der Küche schnell passiert ist –, wird er im Nu heiss und kann seine Funktion nicht mehr erfüllen. Coop als Verkäufer will diesen Schwachpunkt verbessern.

« Mit dem Topflappen Meyer-Mayor müssen die Finger schon nach 10 Sekunden eine Temperatur von 70 Grad aushalten. »

Mit der mangelhaften Isolation im nassen Zustand ist Lavana aber nicht alleine: Vier weitere Modelle sind unbrauchbar, wenn sie Wasser aufgesogen haben. Die Temperaturen steigen nach 30 Sekunden auf über 60 Grad. Im Extremfall werden es nach 60 Sekunden sogar 90 Grad.

Das ist der Hauptgrund, weshalb neben dem Topfhandschuh gleich 4 weitere Modelle mit «ungenügend» beurteilt wurden: Nosi Handschuh Gant, gekauft im Globus, Coop Topflappen schwarz und Topflappen Meyer-Mayor Bistro von Interio, dessen Isolation extrem schlecht ist: Schon nach 10 Sekunden müssten die Finger 70 Grad, nach 30 Sekunden gar 123 Grad aushalten!

Baumwolle hat abgesehen von der schwachen Isolation auch den Nachteil, dass es bei grosser Hitze eher Schaden nimmt und auch brennbar ist. Bei Modellen aus anderen Materialien ist der Schutz besser. Etwas eigenartig muten die beiden Handschuhe «Stinn» (Ikea) und « Cucina&Tavola Silikon-Topfhandschuh» (Migros) an. Sie sind aus Silikon und sehen aus wie Schnäbel. Als störend empfanden die Testerinnen, dass die Feinmotorik mit dem dickwandigen Material stark eingeschränkt und nur der vordere Teil der Hand geschützt ist. Ansonsten überzeugten die beiden Modelle weitgehend.

Sogar ein «sehr gutes» Gesamturteil verdienten sich die Marken Moha, Cucina&Tavola sowie Testsieger «Kitchen Grips». Sie alle sind aus Kunstmaterialien gefertigt. Bei diesen Handschuhen gab es in keinem Kriterium eine Note unter 4.

Am ehesten müssen die Benutzer Abstriche beim «Hantieren» mit diesen Handschuhen aus Kunststoff machen. Das flächige, etwas steife und «gummige» Material nimmt bei der Benutzung das etwas das Gefühl.

Drei fast gleich gute Handschuhe überzeugen also in diesem Test. Ein Blick auf den Preis dürfte manchem Käufer die Wahl erleichtern: Cucina&Tavola kostet Fr. 9.80, «Moha Fire Handschuh» Fr. 14.95 und Testsieger «Kitchen Grips» Fr. 29.50.

260 statt 200 Grad

Drei Modelle versprechen nicht nur Schutz bis zu einer Hitze von 200 Grad, wie das üblich ist. Moha «Fire» und Testsieger «Kitchen Grips» schützen laut Herstellerangaben bis 260 Grad, Ikea «Stinn» bis 232 Grad.

Im Test zeigte sich, dass die drei Modelle zwar gegen Hitze isolieren. Nur gehen sie bei diesen Temperaturen kaputt. Die Aussenseite des Moha-Handschuhs war sogar stark beschädigt. Diese Resultate wurden aber wegen der fehlenden Vergleichsmöglichkeit mit den anderen Mustern nicht berücksichtigt.

So wurde getestet

Das Institut für Produktforschung und Information (Ipi) in Stuttgart (Deutschland) hat für «Kassensturz» technische Tests durchgeführt und die Handhabung beurteilt.

  • Wärmeisolation trocken: Die Prüfer des Labors pressten die Topflappen und Backhandschuhe auf eine Platte mit 200 Grad Hitze. Gleichzeitig zeichneten sie auf, wie schnell sich Topflappen auf der anderen Seite bzw. die Handschuhe auf der Innenseite erhitzen.
  • Wärmeisolation nass: Die Prüfer befeuchteten die Prüflinge und führten das gleiche Prozedere nochmals durch.
  • Hitzebeständigkeit: Das Labor beurteilte die Prüfmuster auf Materialschäden (Sprödigkeit, Risse, Farbveränderungen) nach einer Dauerprüfung: 20-mal erhitzen auf 200 Grad – abkühlen – waschen; diese Prozedur wurde 5-mal durchgeführt.
  • Brandbeständigkeit: Labormitarbeiter hielten die Prüfmuster mit einem definierten Vorgehen über eine Flamme. Fangen die Prüflinge an zu brennen? Wenn ja, verlöscht die Flamme rasch?

Ein Labormitarbeiter des Prüfinstituts Ipi sowie drei Konsumentinnen bewerteten unabhängig voneinander folgende Handhabungskriterien:

  • Aus- und Anziehen (Handschuhe) bzw. in der Hand halten (Topflappen)?
  • Passt der Handschuh, hat der Topflappen eine passende Grösse?
  • Wie gut ist die Feinmotorik bei Benutzung des Produkts?
  • Wie ist das Hautgefühl des Materials?
  • Wie gut ist die gefühlte Isolation beim Gebrauch?
  • Wie gut ist der Hitzeschutz von Handteilen, die nicht direkt und absichtlich mit dem heissen Material in Kontakt sind (Hitze aus Backofen, Dampf, Schutz von Handrücken etc.).