Einkaufswägeli im Test: So eklig sind sie wirklich

Egal ob bei Migros, Coop oder anderen Detailhändlern: Beim Anblick der Einkaufswägeli und -körbli vergeht oft die Einkaufslust. Alte Salatblätter und eingetrocknete Flüssigkeiten lassen das Schlimmste befürchten. «Kassensturz» nahm in 18 Filialen Keimproben und kürt den saubersten Laden.

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Einkaufswägeli im Test: So eklig sind sie wirklich

9:18 min, aus Kassensturz vom 26.8.2014

Eine Strassenumfrage zeigt, dass sich Konsumenten vermehrt an verschmutzen Körbli und Einkaufswägeli stören.

«Kassensturz» wollte es genau wissen, wie verschmutzt tatsächlich sind. Deswegen machten er während der Sommerpause den Hygiene-Test.

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Bildlegende: Diese 18 Läden wurden getestet. SRF

Dazu wurden in 18 Läden von Coop, Migros, Spar, Aldi, Globus, Lidl, Manor und Volg in der ganzen Deutschschweiz Abklatschproben entnommen.

Bei allen Filialen wurde am Körbli-Griff, am Wägeli-Griff und am Körbli-Boden eine Probe entnommen. Zu Vergleichszwecken wurden gleichzeitig auch Proben auf der jeweiligen Toilette des Detaillisten entnommen, um festzustellen, ob die Toiletten womöglich weniger Keime aufweisen, als die Körbli.

Das Ergebnis

Die Auswertung wurde durch ein spezialisiertes Labor durchgeführt. Das mikrobiologische Labor brütete die Proben bei konstanter Temperatur aus und zählte anschliessen die entstandenen Keimkolonien.

Wie erwartet, nach 72 Stunden waren auf der Abklatschfläche die ersten Keimkulturen erkennbar. Das Labor fand aerobe, mesophile Keime und Enterobakerien.

Die Auswertung wurde anschliessend dem Institut für Medizinische Mikrobiologie der Uni Zürich vorgelegt.

Reinhard Zbinden

2:38 min, vom 26.8.2014

Der Mikrobiologe Reinhard Zbinden erklärt im Video-Interview, was das Labor genau gefunden hat und ob die Belastungen gesundheitsgefährdend sind.

Diese Bakterien wurden getestet

Der medizinische Mikrobiologe Reinhard Zbinden vom Mikrobiologischen Institut der Uni Zürich erklärt, was die einzelnen Keime genau bedeuten:

Mesophile Keime: Der Begriff «aerobe, mesophile Keime» - auch «Gesamtkeimzahl» genannt - wird im Lebensmittelbereich angewendet. Darunter werden die aeroben (unter normalen Luftbedingungen), mesophilen (mittlere Temperaturen liebend) Mikroorganismen verstanden, welche auf normierten Agar-Nährböden innert 72 Stunden bei 30 Grad Celsius Kolonien bilden. Dazu gehören Bakterien, Hefen und Schimmelpilze der Umwelt, aber auch Bakterien, die normalerweise auf den Händen vorkommen.

Enterobacteriaceae: Wie der Name sagt, handelt es sich um eine Familie von Bakterien, welche im Darm (griechisch «enteron») von Mensch und Tier vorkommen. Es handelt sich um sogenannte Gram-negative Stäbchenbakterien, die wie Escherichia coli normalerweise im Darm des Menschen vorkommen.
Die Salmonellen gehören aber auch zu den Enterobacteriaceae und können bei Aufnahme über die Nahrung zu Durchfall führen.

Escherichia coli: Escherichia coli ist normalerweise in sehr grosser Zahl im Darm aller Menschen. Wenn Escherichia coli in Nahrungsmittel oder Wasser gefunden wird, muss man auch mit anderen Bakterien des Darms rechnen. Heute ist aber deren zunehmende Antibiotika-Resistenz - auch als Verunreinigungen von Lebensmitteln - beunruhigend, weil Escherichia coli auch den häufigsten Erreger von Harnwegsinfektionen darstellt.

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Fazit

Der «Kassensturz» Hygiene-Test hat folgendes ergeben. Bei 17 der 18 getesteten Filialen fand das Labor aerobe, mesophile Keime, allerdings bei den meisten war die Belastung gering. Bei Migros und Coop wurden am Körbligriff bzw. am Körbliboden eine erhöhte Belastung von aerobe, mesophile Keime gefunden.

Aber solche Keime auf der Oberfläche sind, gemäss medizinischem Mikrobiologe Reinhard Zbinden kaum zu vermeiden und nicht gefährlich.

Bei Manor fand das Labor Enterobakterien am Wägeli- und Körbligriff, was zwar in dieser Konzentration kaum gesundheitsgefährdend ist, aber einfach eklig ist.

Die gute Nachricht, das Labor fand bei keinem der getesteten Filialen E.Coli (Escherichia coli).