Feldstecher-Test: Eine trübe Bilanz

«Kassensturz» hat sieben kompakte Feldstecher mit zehnfacher Vergrösserung getestet. Es hapert bei vielen Modellen an der Schärfe oder daran, dass die beiden Röhren nicht parallel sind. Ein Feldstecher im Test bietet aber ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

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Feldstecher im Test: Weitsicht muss nicht teuer sein

7:58 min, aus Kassensturz vom 23.9.2014

Top-Feldstecher von Swarowski und Zeiss kosten locker ein paar Tausend Franken. Wer auf eine Wanderung keinen schweren und klobigen Feldstecher mitschleppen will, wird sich sowieso an ein kompaktes Modell halten. Sie nehmen wenig Platz im Rucksack ein und wiegen bloss zwischen 200 und 300 Gramm.

Nur schon wegen des happigen Preises gehen vor allem kompakte Feldstecher für Preise unter 200 Franken über den Ladentisch. «Kassensturz» hat sieben solche Feldstecher – oder Ferngläser, wie sie in Deutschland heissen – von der Fachhochschule Ostschweiz testen lassen. In der Auswahl waren nur Modelle mit zehnfacher Vergrösserung, die zusammen mit der Kategorie achtfache Vergrösserung zu den meistverkauften Feldstechern gehören.

Kein scharfes Bild wegen nicht paralleler Röhren

Natürlich kann man von Ferngläsern in einem Preisrange von rund 20 bis 170 Franken keine Wunder erwarten. Doch haben die ausgewählten Modelle bis auf eines überhaupt nicht überzeugt. Klarer Testsieger ist Nikon Sportstar Ex 10 x 25 (für die Erklärung dieser Zahlen siehe Box unten). Er hat nicht nur bei der Auflösung – also der Schärfe – die besten Werte im Labor erreicht. Auch im Praxistest und bei den Laborwerten für die Parallelität der Achsen war er der klare Gewinner.

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Testtabelle

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Die detaillierten Testresultate finden Sie hier.

Die ungenügende Parallelität der Achsen hat sich als schwerwiegendster Mangel der getesteten kompakten Feldstecher herausgestellt (Kriterien siehe unten, «So wurde getestet»). Gleich bei drei Modellen waren die beiden Röhren nicht gut aufeinander abgestimmt: bei Pentax DCF SW, Renkforce und Silva Scenic 10. Das heisst, beim Durchschauen durch die beiden Gläser bekommt man das Bild nicht zusammen. Auch mit Verstellen lässt sich kein scharfes Bild hinkriegen. «Man kann dieses Gerät nicht richtig scharf stellen. Man kriegt nicht beide Augen scharf», sagt Andreas Ettemeyer, Prüfleiter und Professor an der Hochschule Ostschweiz. «Und ein Feldstecher, den man nicht scharf kriegt, taugt einfach nichts.» Da hilft es nichts, wenn die Auflösung in einem guten Bereich liegt wie beim Modell von Pentax. Dieses Manko hat sich im Praxistest ebenfalls gezeigt: Bei der Bewertung des Kriteriums «Erkennen entfernter Objekte» haben genau diese Feldstecher ebenfalls ungenügende Noten bekommen.

Zweites Manko: Schlechte Auflösung

Nicht nur die Parallelität der Achsen, auch die Schärfe hat bei mehreren Feldstechern nicht überzeugt. Das war neben den Marken Pentax, Renkforce und Silva auch bei Minox BF der Fall.

Der schwedische Hersteller teilte «Kassensturz» mit, dass er eine interne Untersuchung gestartet habe und wenn nötig Massnahmen einleiten wolle. Bushnell lässt über den Schweizer Vertreiber mitteilen, der Feldstecher H2O sei «seit vielen Jahren ein beliebtes Modell». Er werde die Resultate analysieren. Renkforce hat keine Stellung bezogen.

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Hobby-Ornithologe Gregor Fiechter erklärt, wie der Feldstecher...

0:30 min, vom 23.9.2014
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Vergrösserung und Lichtstärke

Alle Modelle im Test – ausser Hama – tragen die Bezeichnung 10 x 25. Die erste Zahl steht für die 10-fache Vergrösserung. Ein Tier in 100 Meter Distanz sieht aus, als wäre es nur zehn Meter entfernt. Die 25 gibt den Objektiv-Durchmesser an. Ein grosser Durchmesser ist für ein klares Bild bei schwierigem Licht ein Plus, besonders in der Dämmerung.

Der deutliche Sieger Nikon Sportstar Ex für 138 Franken gehört im Test zu den etwas teureren Feldstechern. Die beiden teuersten Geräte, Minox und Pentax für je rund 170 Franken, waren nur knapp genügend. Dazwischen liegt ein preislich interessantes Modell: Celestron Upclose ist zwar mittelmässig, weist aber keine grosse Schwäche auf. Die drei «Ungenügenden» kosten zwischen 20 und 120 Franken.

Zusätzlich zu den sieben Feldstechern mit Vergrösserung x Lichtstärke 10 x 25 (siehe Kasten) hat «Kassensturz» ein grösseres Modell mit Lichtstärke 50 mitgestetet: Hama Optec 10 x 50 Prisma hat in allen Kriterien besser abgeschnitten als die kompakten Modelle. Überraschend bei diesen guten Labor- und Praxisresultaten ist der Preis: Der Feldstecher kostet nur 50 Franken – das ist für die Qualität in Auflösung und Helligkeit ein veritables Schnäppchen. Nur schwerer zu tragen hat man an diesem Modell.

So wurde getestet

Das Institut für Produktionsmesstechnik, Werkstoffe und Optik PWO der Fachhochschule Ostschweiz in Buchs SG hat für «Kassensturz» die insgesamt acht Feldstecher nach folgenden Kriterien geprüft.

  • Messung der Auflösung (30% Gewichtung für das Gesamturteil)
  • Helligkeit (20%)
  • Parallelität der Achsen (20%)
  • In einem Praxistest bewerteten fünf Prüfpersonen die Kriterien Handlichkeit, Einstellbarkeit, Grösse und Transport, Erkennen entfernter Objekte sowie die Verarbeitung (30%)

Prüfleiter war Andreas Ettemeyer, Professor für Technische Optik und Leiter des Instituts.