Gleiten statt Kleben: Langlauf-Wachstest im Test

«Kassensturz» hat im Engadin im Jahr 2010 rund Hundert Langläufer für einen grossen Wachstest auf die Loipe geschickt. Welches ist der beste Wachs: fixfertiger oder solcher zum Einbügeln? Flüssiger Wachs oder in Pulverform? Und sind die teuren Langlaufwachse auf der Loipe wirklich die schnellen?

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19.01.2010: Langlauf-Skiwachs im Test

8:59 min, aus Kassensturz vom 19.1.2010

Zwei Tage lang bittet «Kassensturz» auf einer Teststrecke in Zuoz (GR) zum Wachsvergleich. Das Publikumsinteresse ist gross. Denn, ohne den richtigen Wachs läuft‘s nicht.

Es gibt verschiedene Arten, einen Ski zu wachsen. Das Sortiment der Hersteller ist breit. Fachmann Nicola Defila vom Langlaufzentrum Zuoz erklärt das Sortiment: «Es gibt Heisswachse zum Einbügeln. Eine Packung reicht für zirka 10 Paar Ski. Dann gibt es fixfertige Flüssigwachse für 15 bis 20 Anwendungen und die ganz teuren Wachse für rund 200 Franken.» Letztere würden für etwa 6 bis 7 Paar Ski reichen.

Wie bei Handcreme

Ein 30-Gramm-Döschen Fluorpulver für 200 Franken? Ist dieser Wachs wirklich spürbar schneller? Das will «Kassensturz» wissen. Vor jedem Testtag bringen wir die Ski zu Servicemann Nicola Defila.

Der diplomierte Chemielaborant präpariert seit 15 Jahren professionell Skis. Bei einem Ski verzichten wir komplett aufs Wachsen. Ein anderer Ski wird mit dem teuren Pulver, dem Rennwachs präpariert. Für den Direktvergleich der Wachsarten beschränkt sich «Kassensturz» auf Toko-Produkte. Auf das dritte Paar kommt ein fixfertiger Expresswachs.

Beim vierten Ski bügelt der Experte Universalwachs ein und zieht ihn später wieder ab. Nicola Defila: «Der Wachs muss in den Belag einziehen. Der Wachs, der obenauf liegt, ist zu viel und würde bremsen. Deshalb ziehen wir ihn ab.» Das sei wie bei einer Handcreme, die zuerst einziehen müsse, um zu wirken, ergänzt der Fachmann.

Welten dazwischen

Die Sportler laufen mit jedem Paar dieser Ski zirka zweihundert Meter weit. Mit welchem Wachs der Ski behandelt wurde, wissen sie nicht. Nach jedem Paar geben sie ihr Urteil ab. Die Bewertungen von 1 (sehr langsam) bis 10 (extrem schnell) werden elektronisch erfasst.

Zwei Tage lang sammelt «Kassensturz» die Rückmeldungen der Tester. Resultat: Der Ski mit dem teuren Fluorpulver erhält 7,9 Punkte. Auf Rang zwei: der viel günstigere Flüssigwachs mit 7,1 Punkten. Dicht dahinter der Heisswachs zum Einbügeln. Ihn bewerten die Läufer mit 6,9 von 10 Punkten. Deutlich abgeschlagen: das Paar Ski ohne Wachs.

Auch zwei Profis haben unsere Skis getestet: Edi Zihlmann und Mario Denoth, Servicemänner im Schweizer Langlaufkader. Sie präparieren auch die Ski des doppelten Olympia-Siegers Dario Cologna.

Nebst ihrem Gefühl verlassen sie sich auf die Stoppuhr. Auf einer kurzen Abfahrt messen sie die Schnelligkeit der Ski. Die Zeiten liegen nahe beieinander, innerhalb nur einer Sekunde. Trotzdem seien diese Unterschiede gross: «Das sind Welten zwischen dem besten und dem schlechtesten Ski», betont Denoth.

Günstige Alternative

Auffallend im «Kassensturz»-Vergleich: Für Sportler, die sich als Anfänger und oder mittelgute Langläufer einschätzen, fallen die Unterschiede zwischen teurem und günstigem Wachs weniger ins Gewicht.

Das zeigt die spezifische Auswertung: Der Ski mit dem teuren Fluorpulver erhält von diesen Läufern 7,8 Punkte. Fast gleich gut bewerten die Einstieger den viel günstigeren Flüssigwachs mit 7,4 Punkten. Der Heisswax zum Einbügeln erhält 6,9 und der Ski ohne Wachs nur 5 Punkte.