Kompaktkameras im Test: Je dünner, desto schlechter

Digitale Kompaktkameras passen in jede Hosentasche. Die Qualitätsunterschiede aber sind enorm: «Kassensturz» zeigt, welche Modelle die schärfsten Einzelbilder schiessen, mit Videos klarkommen und auch bei schlechten Lichtverhältnissen nicht schlapp machen.

Video «Kompaktkameras im Test: Je dünner, desto schlechter» abspielen

Kompaktkameras im Test: Je dünner, desto schlechter

8:24 min, aus Kassensturz vom 24.2.2015

Zunehmend stehen Kompaktkameras in Konkurrenz mit Handykameras, die stetig besser werden. Doch bieten die heutigen digitalen Kompaktkameras neben guten Bildern auch Videofunktionen und einiges mehr an Zusatzfunktionen.

2012 brach der Markt für Kompaktkameras gravierend ein. Grund dafür: Das Smartphone. Führende Kamerahersteller geraten zunehmend unter Druck, weil die eingebauten Kameras der Handys immer besser werden.

Konkurrenz Smartphone

Die Menschen zücken schnelle mal das Smartphone, um einen Schnappschuss aus den Ferien oder von der Geburtstagsparty zu schiessen. Eine Kompaktkamera scheint überflüssig, weil es doch auch mit dem Handy geht.

Um dem entgegenzuwirken, werfen die Kamerahersteller günstige ultradünne Kameras auf den Markt, die im Internethandel bereits ab 75 Franken zu haben sind. Stiftung Warentest hat die aktuellsten Kameras getestet und kommt zum Ergebnis: Ultradünne Kameras stossen oft an ihre Grenzen.

Der Projektleiter der Kameratests der Stiftung Warentest, Markus Bautsch, weiss um die Probleme der Hersteller und warum die ultradünnen Kameras beim Test kaum über ein «Genügend» kamen. «Bei besonders flachen Kameras ist die Konkurrenz zu den Smartphones noch grösser, und deswegen müssen die besonders billig angeboten werden.»

Das hat zur Folge, dass einfache und kleine Komponenten verbaut werden. Die Leistungsfähigkeit ist niedriger als bei anderen Kompaktkameras. Deshalb landen die dünnen Kameras im Test auf den hinteren Plätzen.

Je teurer, desto besser?

Bei den 14 Kameras, die «Kassensturz» publiziert, sind deutliche Preisunterschiede zu erkennen. Die günstigste, Nikon Coolpix S2800, gibt im Online-Handel bereits ab 75 Franken. Diese Kamera schnitt im Test ungenügend ab. Vor allem bei der Bildqualität zeigten sich deutliche Mängel.

Zusatzinhalt überspringen

Alle Tests

Alle Tests

Alle Tests, Degustationen und Testsieger von «Kassensturz» auf «Tests» oder von A bis Z.

Die besten fünf Kameras gibt es kaum unter 200 Franken. Für Markus Bautsch ist das keine Überraschung: «Ein wesentliches Element der Kamera ist das Objektiv», erklärt der Testleiter von Stiftung Warentest.

«Die Objektive sind häufig teurer als die Kamera. Das heisst, die Physik und die Optik kann man nicht austricksen, indem man billige Komponenten einbaut, wenn man eine gewisse Qualität haben will.» Auch sind die Menüs bei den teuren Kameras oft durchdachter als die der kostengünstigen.

10 Megapixel reichen völlig

Nicht immer ist auf den ersten Blick zu erkennen, ob die Kamera gute Bilder macht. Jeder Hersteller wirbt mit vielen Funktionen und einer hohen Auflösung.

Der Testleiter der Stiftung Warentest warnt vor solchen Werbebotschaften. Wenn eine Kamera mit der grossen Anzahl Pixel (Bildpunkte) wirbt, heisst das nicht, dass die Kamera bessere Bilder mache, so Bautsch. Entscheidend ist die Sensorgrösse, erklärt Bautsch in den Video-Tipps.

«Eine gute Kamera wie die Canon S200 hat nur 10 Megapixel, was ausreicht, um gute Bilder zu machen. Andere Kameras im Test hatten doppelt so viele Megapixel, was in den Ohren des Konsumenten nach viel klingt. Aber man muss schon sagen, eine hohe Pixelzahl garantiert längst keine guten Bilder.»

Viele Pixel können sich sogar nachteilig auswirken. Die lichtempfindlichen Flächen auf den kleinen Sensoren sind nicht grösser als ein Fingernagel. Darauf 20 Megapixel unterzubringen, kann die Bildqualität verschlechtern, sagt Markus Bautsch.

Es habe zu wenig Platz für den einzelnen Bildpunkt, und das erzeuge dann ein Bildrauschen, sprich: Die Bildqualität leide. Darum empfiehlt Markus Bautsch: «Man sollte sich auf keinen Fall an der Zahl der Megapixel orientieren.»

Eine hohe Pixelzahl ist aber nicht immer schlecht: Anders sieht es nämlich aus, wenn der Sensor etwas grösser ist. Mehr Pixel erzeugen hier kein Bildrauschen. Grössere Sensoren sind meistens in den sogenannten Systemkameras mit wechselbarem Objektiv eingebaut. Darum rät der Experte, man solle auf Systemkameras umsteigen, wenn man mehr als 10 Megapixel möchte.

Tipps vom Profi-Fotografen

Zusatzinhalt überspringen

Robert Bösch

Robert Bösch

Robert Bösch ist Bergführer und dipl. Geograf und seit über 30 Jahren als freischaffender Berufsfotograf tätig mit dem Spezialgebiet Outdoor- und Actionfotografie. Er arbeitet für renommierte Magazine und seine Bilder werden in Ausstellungen gezeigt. 2009 wurde Robert Bösch für sein Schaffen im Bereich alpine Fotografie ausgezeichnet.

«Kassensturz» begleitete Robert Bösch einen Tag lang bei seiner Arbeit für sein neustes Landschaftskunstbuch. Der Berufsfotograf hat sich international einen Namen mit seiner Outdoor- und Actionfotografie gemacht. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Landschaftsfotografie. Hier einige Tipps vom Profi:

  • Eine Top-Kamera ist die Grundlage für gute Bilder. Aber ein gutes Bild gelingt nur mit dem Können des Fotografen. Die Bilder sollte man nach der Foto-Session gleich am Computer anschauen, um zu sehen, ob die Umsetzung seiner Ideen auch geklappt hat.
  • Das wichtigste im Bild entweder ganz gross zeigen, also möglichst nah ran. Oder dann ganz heranzoomen. Zwischengrössen sind eher zu vermeiden.
  • Vor allem in der Natur kommt es meistens anders als geplant. Deswegen sollte man offen sein und seinen Plan auch umkrempeln können. So kommt man oft zu guten Bildern, die man gar nicht erwartet hat.

So wurde getestet

  • Bildqualität (45 % Gewichtung)
  • Handhabung (30 %)
  • Bildschirm (10 %)
  • Videofunktion (10 %)
  • Blitz (5 %)