Konsumenten essen einen Giftcocktail

7 verschiedene Pestizide auf einer einzigen Probe: Solch bedenkliche Befunde hat der Genfer Kantonschemiker angetroffen. Seine Untersuchung zeigt: 8 von 16 Traubenproben sind mehrfach belastet. Jetzt fordern Kantonschemiker Grenzwerte für die Mehrfachbelastung mit Pestiziden.

Video «Konsumenten essen einen Giftcocktail» abspielen

Konsumenten essen einen Giftcocktail

5:52 min, aus Kassensturz vom 2.11.2010

Vor allem Trauben aus Italien weisen Rückstände von mehreren Pestiziden auf. Dabei sind italienische Tafeltrauben bei Schweizern sehr beliebt. Pro Jahr werden 40 000 Tonnen Trauben importiert, mehrheitlich aus Apulien und Sizilien.

Die Hälfte mit Rückständen

Tafeltrauben sind anfällig auf Krankheiten. Deshalb spritzen die Produzenten vor allem gegen Pilzkrankheiten wie zum Beispiel Fäulnis. Aber auch klimatische Veränderungen, wie Regen vor der Ernte, lassen die Bauern zur Pestizid-Spritze greifen.

Das Westschweizer Konsumentenmagazin «A Bon Entendeur» hat im September ausländische Tafeltrauben bei verschiedenen Detailhändlern eingekauft. 16 Traubenproben gingen zur Analyse an das Labor des Genfer Kantonschemikers.

Unbekannte Auswirkungen

Pflanzenschutzmittel lassen sich nicht einfach abwaschen. Sie die dringen tief in die Trauben ein. Und gelangen beim Essen in den Organismus der Konsumenten. Mit unbekannten Folgen für die Gesundheit. Besonders bedenklich: Die geballte Wirkung der Pestizide ist noch ungeklärt. Und die Mehrfachbelastungen nehmen laufend zu.

«Kassensturz» hat die Testergebnisse des Genfer Labors dem Präsidenten der Schweizer Kantonschemiker vorgelegt. Otmar Deflorin hält fest: «Kein einzelner Wirkstoff hat die gesetzlichen Grenzwerte überschritten.» Er betont aber, dass nicht bekannt sei, wie die einzelnen Wirkstoffe untereinander reagieren. «Man hat einen Pestizid-Cocktail und weiss nicht, wie die verschiedenen Substanzen untereinander reagieren. Man kennt die toxikologischen Auswirkungen noch nicht.»

Deshalb fordert der Verband der Kantonschemiker einen Summengrenzwert für die Pestizide, einen Höchstwert für die Anzahl Behandlungen. Damit die Traubenproduzenten die einzelnen Grenzwerte nicht einfach mit dem Spritzen von kleinen Mengen verschiedener Pestizide umgehen können.

Grenzwert vorgeschoben

Migros, Coop, Aldi und Lidl schreiben in ihren Stellungnahmen, dass ihre Trauben die bestehenden gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Nur Manor hat Trauben mit Rückständen von 6 Pflanzenschutzmitteln aus dem Verkauf genommen, obwohl kein einzelner Grenzwert überschritten wurde.

Wer bei den Trauben auf sicher gehen will, kauft am besten Produkte aus biologischem Anbau. Das hat seinen Preis, denn Bio-Trauben kosten mehr als herkömmlich angebaute.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • 1 Probe Trauben ohne Rückstände.
  • 1 Probe mit Rückständen von einem Pflanzenschutzmittel.
  • 6 Proben mit zwei Pflanzenschutzmitteln.
  • 8 von 16 Traubenproben weisen Mehrfachrückstände auf. Hier kamen drei oder mehr Pestizide zum Einsatz.
  • Insgesamt 7 verschiedene Gifte hat das Labor in Uva Italia gefunden, gekauft bei Casino in Etoy.