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Kassensturz-Tests Langweiliges Lagerbier

Die Kassensturz-Bierdegustation zeigt: die vielgepriesene Biervielfalt gibt's nur auf der Etikette. Die 11 getesteten Lagerbiere schmecken alle ähnlich.

Die grossen Bierhersteller preisen die Biervielfalt in der Schweiz: Dem Freiburger sein Gurten-Bier, der Zürcherin ihr Hürlimann, dem Basler sein Warteck. Nur: Mit Bern, Zürich oder Basel haben diese Gerstensäfte längst nichts mehr zu tun.

Gebraut werden die ehemals selbständigen Regionalbiere zusammen mit Carlsberg und Tuborg bei Feldschlösschen in Rheinfelden, das heute dem dänischen Biergiganten Carlsberg gehört. Mit demselben Wasser, im selben Braukessel, aber mit unterschiedlichen Rezepten.

«Sie werden grosse Unterschiede feststellen, wenn Sie die verschiedenen Biere degustieren», behauptet Stéphane Quellet, Leiter Produktion bei Feldschlösschen. Kassensturz wollte wissen, ob dem wirklich so ist und liess in einem Blindtest 11 in der Schweiz hergestellte Lagerbiere degustieren.

Das Fazit der zur Degustation geladenen Bierspezialisten und Kleinbrauer (die Grossbrauereien schlugen die Einladung von Kassensturz aus): Alle untersuchten Biere schmecken in etwa gleich.

Gross sind hingegen die Unterschiede beim Preis: Das teuerste im Test, Heineken Premium Quality, kostete beim Kassensturz-Einkauf Fr. 4.80 pro Liter. In der Degustation reichte es dem von Calanda-Bräu in Chur gebrauten Heineken bloss auf den zweitletzten Platz. Das drittplatzierte Denner Lager hell hingegen war für Fr. 1.10 pro Liter zu haben.

Vor zehn Jahren tranken die Schweizer pro Kopf 72 Liter Bier. Heute sind es noch 57 Liter jährlich. Jahrzehntelang haben sich die Bierbrauer dank dem Bierkartell abgesprochen und so den freien Wettbewerb verhindert.

Nach dem Zusammenbruch des Kartells kaufte die heutige Carlsberg-Tochter Feldschlösschen eine Brauerei nach der anderen auf. Carlsberg, Heineken und Eichhof dominieren heute 80 Prozent des Marktes.

Doch bei den einst eigenständigen Regionalbieren verlieren sie an Marktanteilen: Die Biergiganten haben es schmählich versäumt, sich im Geschmack von der Masse abzuheben. In die Lücke springen jetzt Kleinbrauereien. Sie brauen ihr Bier vor Ort und geben so den Biertrinkerinnen und Biertrinkern wieder ein Stück echte Bierheimat.