Mandarinen: Gift-Cocktail in den Zitrusfrüchten

Mandarinen und Clementinen gehören im Winter zu den beliebtesten Früchten. «Kassensturz» wollte herausfinden, wie stark die Zitrusfrüchte in den Läden mit Pestiziden und Schalenbehandlungsmitteln belastet sind.

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Mandarinen: Gift-Cocktail in den Zitrusfrüchten

6:31 min, aus Kassensturz vom 18.12.2007

Jetzt ist die Auswahl an den süss-sauren Früchtchen am grössten: Im Angebot sind Mandarinen und Clementinen, offen oder im Netz, Bio oder konventionell produziert. Die Clementinen liegen in der Gunst der Konsumenten klar vor den Mandarinen, weil sie praktisch keine Kernen enthalten.

Fäulnis statt Nachreifung

«Wir hatten schon Clementinen mit Kernen», erinnert sich ein Coop-Kunde, «aber auf Weihnachten hin kriegt man die gute Qualität, im Oktober sollte man noch keine kaufen. Sonst muss man sie zu Hause nachreifen lassen.»

Falsch! Mandarinen können im Laden und zu Hause nicht nachreifen. Sie beginnen lediglich zu faulen und bilden giftige Schimmelpilze. Darum werden konventionell produzierte Zitrusfrüchte mit Pestiziden besprüht – schon auf der Plantage und später nochmals nach der Ernte. Auf der Etikette steht die Empfehlung, die Schale nicht zu essen.

Bio-Clementinen sind bio

«Kassensturz» liess ein Dutzend Mandarinen und Clementinen aus Grossverteilern in einem renommierten Fachlabor analysieren. Dazu wurden die ganzen Früchte mit flüssigem Stickstoff schock-gefroren. Wie viel von den eingesetzten Pestiziden bleibt auf den Früchten? Sind Bio-Mandarinen wirklich pestizidfrei?

Die gute Nachricht: In den Bio-Clementinen aus Coop und Migros waren keine Pestizide nachweisbar. Der Nachteil: sie sind weniger lang haltbar als die makellos glänzenden Früchte aus konventioneller Produktion.

Werte unter Toleranzgrenze

Hier fand unser Labor Pestizide, in jedem Fall: Auf den Clementinen mit Blättern von Spar: ein Pestizid, und je zwei Pestizide auf den teuren Mandarinen von Volg, den Clementinen im Netz und den Clementinen mit Blatt, beide von Aldi.

Michael Arand, Professor für Toxikologie an der Universität Zürich, stellt fest: Alle gemessenen Werte lagen weit unter den gesetzlich erlaubten Toleranzen und Grenzen.

Auf folgenden Früchten fand Kassensturz mehrere Pestizide: Drei auf den Clementinen im Offenverkauf bei Migros, vier Pestizide auf den Clementinen im Netz von Denner, fünf
auf den offenen Mandarinen von Coop. Auch ein Pestizid-Cocktail bei den Clementinen im Netz von Migros: 5 Pestizide. Und je 6 Pestizide auf den offenen Clementinen von Coop und den Clementinen von Volg.

Immerhin: alle Mittel sind zugelassen und die Konzentrationen sind weit unter den gesetzlichen Toleranz- und Grenzwerten.

Wetter entscheidet über Einsatz

Christian Guggisberg, Coop-Einfkausleiter für Früchte und Gemüse nimmt Stellung: «Wir sind nicht ganz zufrieden mit diesen Resultaten, obwohl sie völlig unbedenklich sind. Aber wir haben uns höhere Ziele gesetzt. Wir wollen nicht mehr als drei Mittel finden. Wie viel eingesetzt wird, das richtet sich nach den Feldern, nach der Sorte und vor allem nach dem Wetter. Denn wenn es feuchter ist, dann brauchen wir mehr verschiedene Pestizide, um die Pilzkrankheiten zu bekämpfen.»

Und Volg sagt zu den Testresultaten: «Über das Ganze gesehen ist der spezifische Einsatz verschiedener Mittel für die Umwelt besser, als wenn man nur ein Produkt mit hoher Konzentration braucht. Einen bewussten Einsatz verschiedener Mittel, um die Grenz- und Toleranzwerte nicht zu überschreiten, schliessen wir aus.»

Händewaschen von Vorteil

Die grössten Mengen Pestizide sitzen auf der Schale. Diese wird zwar nicht gegessen, beim Schälen geraten die Pestizide aber an die Hände und von dort in den Mund. Deshalb empfehlen offizielle Stellen laut Professor Arand, nach dem Schälen die Hände zu waschen. «Ich möchte dem nicht widersprechen, aber ich möchte auch keine Panik machen und sage deshalb, dass es kein grosses Problem darstellt, wenn man es vergisst», so Arand weiter.