Schuhcremes im Test: Welche Pasten wirklich glänzen

«Kassensturz» hat zehn der meistverkauften Schuhcremes im Labor testen lassen: Wie gut lassen sie sich auftragen und auspolieren? Und wie zuverlässig schützen sie vor Wasser und Schmutz? Ebenfalls im Test: Die Schuhcreme der Schweizer Armee.

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Schuhcremes im Test: Welche Pasten wirklich glänzen

9:24 min, aus Kassensturz vom 17.2.2015

Die zahlreichen Schuhmuseen, Schuhmanufakturen, und Schuhgeschäfte zeugen von der jahrhundertealten Schuh-Tradition im süddeutschen Städtchens Pirmasens. In dieser Wiege des Schuhwerks lässt «Kassensturz» zehn Schuhcremes aus dem Schweizer Fach- und Detailhandel testen. Das spezialisierte Labor des Prüf- und Forschungsinstituts (PFI) konzentriert sich dabei auf zwei Bereiche: Handhabung der Cremes und deren Schutzfunktion.

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Testtabelle

Testtabelle

Die detaillierten Testresultate finden Sie hier.

Erstes Testkriterium: wie gut lassen sich die Cremes auftragen und wie glänzend oder matt ist das Leder nach der Politur? Die Materialprüfer tragen auf ein spezielles Testleder 6 Gramm Schuhcreme auf und prüfen danach, wie leicht sich die Produkte auspolieren lassen.

Kaum wasserabweisend

Danach prüfen die Laboranten die Wasserabweisung der Produkte. Dazu nässen sie das behandelte Leder zunächst mit drei Tropfen destilliertem Wasser. Hält das Leder der Flüssigkeit stand, wird der Test mit einem Gemisch von destilliertem Wasser und Iosopropanol wiederholt. Die Laboranten erhöhen den Anteil Isopropanol alle 15 Sekunden stufenweise, bis die Tropfen ins Leder eindringen.

Überraschendes Resultat: Die meisten mit Schuhcreme behandelten Leder weisen das Wasser kaum besser ab, als unbehandeltes Leder: «Wenn man also darauf abzielt, trockene Füsse zu behalten, kommt man nicht drum herum, ein zusätzliches Imprägniermittel zu verwenden», betont Testleiter Kai Tinschert. Im Weiteren überprüfen die Laboranten den Schutz der Creme vor trockenem und feuchtem Schmutz.

Ungenügende Note für die Creme «made in Switzerland»

Ein «Ungenügend» erhält in der Gesamtbewertung die Palmenwachs-Schuhcreme von Burgol. Sie lässt sich zwar gut auftragen und polieren, bei der Schmutzabweisung erzielt sie aber die schlechtesten Ergebnisse im Labor: Note 3,9.

Burgol wird nur wenige Kilometer vom Schloss Aarwangen entfernt im Kanton Bern produziert. Der Kritik aus dem Labor, Burgol sei nicht sehr schmutzabweisend, hält Firmenchef Hans-Rudolf Siegenthaler entgegen: «Mit dem Einsatz von Chemie könnten wir die Schmutzabweisung sofort verbessern. Wir verzichten aber bewusst darauf, weil wir wollen, dass das Leder atmen kann.» Der letzte Schweizer Schuhcreme-Hersteller seiner Art produziert seit 80 Jahren nach der gleichen Rezeptur: Vier verschiedene Palmenwachsarten aus nachhaltiger Produktion, Bienenwachs, Terpentinöl und

Lösungsmittel werden zusammengemischt und während mehrerer Stunden bei 120 Grad geschmolzen. Pro Jahr entstehen so zehn Tonnen Schuhcreme. Das Familienunternehmen verkauft seine Produkte bis nach Südkorea und Dubai.

Der Testsieger

Knapp genügende Testergebnisse im Labor erreichen die Produkte von Mister Minit, Bama, Woly und Dosenbach. Trotz der grossen Preisunterschiede schützen auch diese Produkte alle nur mässig: Alle erreichen Note 4,2. Eine genügende Gesamtbewertung erhält Mister Minit Color Renovator, mit 13.80 Franken das teuerste Produkt im Test.

Etwas besser aber um einiges günstiger ist Rapi, die Eigenmarke der Migros. Bufalo von Coop schützt gut vor Staub, aber nur wenig vor Wasser und feuchtem Schmutz. Kiwi Shoe-Polish ist das günstigste Produkt im Test und erreicht Note 4,7.

«Über alle Testkriterien betrachtet fällt auf, dass die meisten Produkte entweder bei der Handhabung punkten, oder bei der Schutzfunktion», fasst Testleiter Kai Tinschert seine Untersuchungen zusammen. Das einzige Produkt im Test mit guten Werten bei Anwendung und Schutz des Leders ist die Pflegecreme von Kiwi. Mit Note 4,8 ist sie Testsiegerin.

Die Armee-Schuhcreme im Test

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So putzt die Armee

So putzt die Armee

Interessant: Die genauen Pflegevorschriften für den Kampfstiefel 90.

Böse Zungen behaupten: Generationen von Soldaten lernen in der Armee vor allem eins, Schuhe putzen! «Kassensturz» hat deshalb auch die Armeeschuh-Creme im Fachlabor testen lassen. Die Armeeschuhcreme schützt von allen getesteten Cremen am besten vor Feuchtigkeit, deckt aber Flecken am schlechtesten ab und schützt auch nur mässig vor trockenem und feuchtem Staub. In der Gesamtbewertung erreicht sie Note 4,1. Die Creme wird vom Schweizer Ableger des amerikanischen Konzerns Johnson Bama im Auftrag der Armasuisse geliefert.

Was tun gegen Salzränder?

Gerade im Winter werden Schuhe arg strapaziert: Schneenässe kann Lederschuhe beschädigen. Ein klassisches Wintermerkmal sind Salzränder. «Dieses Salz kommt aber nicht etwa von der Strasse, wie man annehmen könnte, sondern stammt vom Leder selber. Wird es nass, schwemmt es dieses Salz aus», erklärt Schuhputzer Ercan Korhan, einer der letzten Vertreter seines Handwerks in der Schweiz. Am besten sei es, die Salzränder mit einer sehr feinen Metallbürste zu reinigen und danach wieder einzucremen. Ganz wichtig: Die Schuhe erst eincremen, wenn sie wieder trocken sind.

Ein schwarzgekleideter Mann putzt die roten Ancle-Boots einer Frau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ercan Korhan, einer der letzten Schuhputzer in der Schweiz, bei der Arbeit am Flughafen Zürich. SRF

Seit 18 Jahren bietet der gebürtige Türke im Transitbereich des Flughafens Zürich seine Dienste an. Entsprechend international ist seine Kundschaft: «Auch berühmte Menschen zählen zu meinem Kundenkreis. Zum Beispiel Franz Beckenbauer, Boris Becker, Beni Turnheer, und vor einem Jahr war auch Arnold Schwarzenegger bei mir», verrät Ercan Korhan nach einigem Nachfragen – Prahlen ist seine Sache nicht.

Seine Arbeit betreibt der gelernte Schuhmacher mit einer fast wissenschaftlichen Akribie: Die Bürsten sind Originale aus der Türkei, extra gross und weich, zum Polieren verwendet er ausschliesslich Velours. Sein grösster Stolz aber ist seine Schuhcreme: Ercan Korhan stellt sie selber her. Die Rezeptur will er nicht preisgeben – sie bleibt sein Berufsgeheimnis.