Baby-Lederfinken im Test: Massiv zu viel Chrom drin

Zehn Baby-Lederfinken von Schweizer Grossverteilern hat das Konsumenten-Magazin FRC untersucht. Erschreckend: In zwei Produkten aus der Migros befand sich rund 30 Mal zu viel giftiges Chrom VI.

Finken Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Diese Finken aus der Migros enthielten 32 und 28 Mal mehr Chrom VI als erlaubt. zvg

Finken aus Leder sind bei Kleinkindern weit verbreitet. Sie schützen den Fuss, sind gleichzeitig aber so weich, dass sich das Gehen wie barfuss anfühlt. Und sie sind ohne Socken angenehm zu tragen und nehmen Feuchtigkeit gut auf.

Doch sind die Schuhe durch Chemikalien des teilweise giftigen Gerbprozesses belastet? Dies wollte das westschweizer Magazin «FRC Mieux Choisir» wissen und hat zehn Finken getestet.

Der Fokus lag auf dem giftigen und allergieauslösenden Schwermetall Chrom VI. Es verbleibt im Leder, wenn die Tierhäute mit der billigen Chrom-Gerbung haltbar gemacht werden. Anders funktioniert die pflanzliche Gerbung: Hier wird ohne Schwermetalle, dafür mit aus Pflanzen (v.a. Eiche) gewonnenen Gerbstoffen gearbeitet. Diese Gerbart ist jedoch aufwändiger und mehr als doppelt so teuer.

Die Testkriterien

  • ChromVI-Gehalt im Obermaterial
  • ChromVI-Gehalt in der Sohle

Das Resultat: Vier der zehn Finkenpaare enthielten das giftige Schwermetal. In den zwei am schlechtesten platzierten (beides Produkte aus der Migros) wurde sogar eine 28- und 32-fach grössere Konzentration gemessen als erlaubt ist. Beide Produkte sind «Made in China».

Migros hat nach dem Test gemäss FRC die verbleibenden Finken dieser Serie aus den Gestellen genommen. Auf weitere Massnahmen aber verzichtete der Grossverteiler. Migros erklärte gegenüber FRC: «Unsere Produktetests zeigen, dass diese Finken verkaufsfähig sind.» Sie verzichtete aber darauf, die zurückgezogenen Schuhe zu analysieren, oder auf einen generellen Rückruf.

Sauber und günstig ist möglich

Als Preis/Leistungssieger erwiesen sich die Finken «Mon Coeur» von Manor für 13.95 Franken. Die ebenfalls in China produzierten Schuhe waren nicht nur die Günstigsten im Test.

Zusatzinhalt überspringen

Alle Tests

Alle Tests

Alle Tests, Degustationen und Testsieger von «Kassensturz» auf «Tests» oder von A bis Z.

Unbelastete Finken

«Anna et Paul» gekauft bei Globus
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 59.90 CHF*

«Mon Coeur» gekauft bei Manor
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 13.95 CHF*

«Easy Peasy» gekauft bei Petit Bateau
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 55.- CHF*

«Pololo» gekauft bei Jubilane
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 52.- CHF*

«Inch Blue» gekauft bei Apotheke
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 35.- CHF*

«Du Pareil au même» gekauft bei Du Pareil ai même
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 30.80 CHF*

Schwermetal-belastete Finken

«Lederfinken» gekauft bei Migros
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 24.80 CHF*
Bemerkung: ChromVI-Grenzwert 32-fach überschritten!

«Lederfinken» gekauft bei Migros
Gesamtwertung: gesetzeskonform
Preis: 24.80 CHF*
Bemerkung: ChromVI-Grenzwert 28-fach überschritten!

«Robeez» gekauft bei Aeschbach
Gesamtwertung: nicht gesetzeskonform
Preis: 34.80 CHF*
Bemerkung: ChromVI-Grenzwert 6-fach überschritten!

Quelle: «frc mieux choisir» vom September 2015. Der Test mit ausführlicher Tabelle kann online bezogen werden bei frc.ch. *= Preise vom September 2015.

Das grosse Leiden für unser Leder

«Kassensturz» hat in Gerbereien, Schlachthöfen und Fabriken recherchiert und zeigte die bittere Realität der Lederproduktion: giftige Chemikalien, die Arbeiter und Umwelt schädigen – sowie viel Tierquälerei. Zum Artikel

Video «Leder aus Indien: Tiere und Arbeiter leiden für unsere Schuhe» abspielen

Leder aus Indien: Tiere und Arbeiter leiden für unsere Schuhe

21 min, aus Kassensturz vom 16.12.2014