Teurer und mehr Verpackung: Kritik am neuen Aspirin

Vor einem Jahr hat Bayer das neue Aspirin S in der Schweiz lanciert. Mittlerweile sind die alten Aspirinschachteln aus den Läden verschwunden. Kunden wundern sich vor allem ob der verschwenderischen Verpackung, ärgern sich aber auch über den höheren Preis. Bayer verteidigt seine Neuentwicklung.

Eine Packung mit 8 oder mit 20 Aspirin S ist doppelt so gross wie die alte Packung, die es nur mit 20 Stück Aspirin gab. «Überdimensional», «ein Unsinn», so beschreiben Kunden die Verpackung des neuen Aspirin. Der Hersteller Bayer sieht die Grösse jedoch als Vorteil: So hätten handlichere Tablettenverpackungen (Blister) Platz. Zudem gebe es nun ein Zusatzfach für den Beipackzettel.

Preisaufschlag um rund ein Drittel

Neben der grossen Verpackung fällt auch der Preis auf. Je nach Apotheke kostet eine Packung mit 20 Aspirin S rund zwei Franken mehr als vorher, ein Aufschlag von rund einem Drittel. Bayer bezeichnet Aspirin S als aufwändige Weiterentwicklung. Insbesondere wirke die Tablette nun schneller und in den ersten zwei Stunden nach Einnahme auch stärker, rechtfertigt ein Sprecher den höheren Preis auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso».

Schnellere Wirkung wirklich entscheidend?

Dies sei ein typisches Werbeversprechen, sagt Rudolf Andres von der Apotheke Stadelhofen in Zürich auf Anfrage von «Espresso». Der wirkliche Vorteil der neuen Tablette sei, dass man sie dank einer neuen Beschichtung besser schlucken könne. Erfahrungen aus seiner Apotheke würden jedoch zeigen, dass vor allem ältere Leute Mühe hätten, die Tabletten aus dem Aluminium-Blister zu bekommen.

Auch Roman Schmid von der Bellevue-Apotheke in Zürich bezweifelt, dass die offenbar schnellere Wirkung für die Kunden effektiv eine Bedeutung hat. Es sei vor allem für den Hersteller eine Gelegenheit, über eine Neulancierung einen Preisaufschlag zu rechtfertigen. Dies sei eine alte Masche der Industrie.

Kritik an hohem Preis in der Schweiz

Bayer erklärt auf Anfrage von «Espresso», der Preis, den die Apotheken beim Hersteller bezahlen, sei tatsächlich gestiegen. Den Endpreis würden die Apotheken jedoch selbst festlegen, dies könne Bayer nicht kommentieren. Die Apotheker Rudolf Andres und Roman Schmid beteuern jedoch, der Preisanstieg sei alleine auf den Hersteller zurückzuführen.

Rudolf Andres sagt, sie würden bei Bayer eine Packung Aspirin S für 5.68 Franken beziehen. In Deutschland sehe er eine gleiche Packung in der Apotheke für 3.67 Euro. «Wenn wir das teurer einkaufen müssen als es die deutschen Apotheker im Laden verkaufen können, dann liegt es kaum am Schweizer Apotheker, den Preis tief zu halten, sondern am Hersteller.»

Kaum mehr Nachfrage nach Generika

Kunden würden beim Aspirin jedoch kaum auf den Preis schauen, sagt Roman Schmid von der Bellevue-Apotheke. Wer bisher Aspirin verwendet habe, würde dies auch weiterhin tun. Nachfragen nach Generika oder Ersatzpräparaten habe es bei dieser Umstellung kaum gegeben. Dabei gibt es dutzende andere Medikamente, die wie Aspirin den Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthalten und darum in der Wirkung vergleichbar sind.