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Arbeit Harmloser Flirt oder sexuelle Belästigung?

Die Entlassung des Vizedirektors des Zürcher Elektrizitätswerkes sorgt für Gesprächsstoff. Der Mann soll Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. «Darf man jetzt nicht mal mehr ein Kompliment machen?», fragen sich seither viele. Die Antwort ist: Doch. Es kommt bloss drauf an, wie man das tut.

Legende: Video Harmloser Flirt oder sexuelle Belästigung? abspielen. Laufzeit 09:55 Minuten.
Aus Kassensturz vom 05.11.2013.

Mit Bildern aus einem «Bravo»-Heft hatte sich vor einigen Jahren die eidgenössische Personal-Rekurskommission zu befassen. Genauer gesagt mit der Beschwerde eines Militäroberkrankenpflegers. Der Mann zeige Nacktbilder von Männern einer ihm unterstellten Arbeitskollegin. Diese fühlte sich sexuell belästigt.

Vor Gericht versuchte der Oberpfleger, die Empörung seiner Kollegin in Frage zu stellen. Es sei nur schwer vorstellbar, fand er, dass Bilder aus einer Zeitschrift für Teenager eine erwachsene und erst noch im Medizinalbereich tätige Frau schockieren könnten.

Auf das Empfinden kommt es an

Legende: Video Sexuelle Belästigung? Situation 1 abspielen. Laufzeit 02:21 Minuten.
Aus Kassensturz vom 05.11.2013.

Doch mit dieser Argumentation stiess er vor Gericht auf taube Ohren. Der Oberpfleger hätte wissen müssen, dass es seine Arbeitskollegin als unangenehm und unerwünscht empfinden müsse, von ihrem Vorgesetzten männliche Nacktfotos gezeigt zu bekommen.

Ein Vorgesetzter habe sich höflich und taktvoll zu benehmen. Daran ändere auch nicht, dass die Kollegin in einer Männerwelt arbeite.

Ein Einzelfall? Keineswegs. In einer Erhebung des Büros für Gleichstellung gab ein knappes Drittel der 2000 Befragten an, in den letzten zwölf Monaten am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden zu sein. Rund die Hälfte aller Befragten haben solche Erfahrungen irgendwann in ihrer beruflichen Laufbahn gemacht.

Erstaunlich gering ist der Geschlechtsunterschied: 55% der Frauen wurden Opfer von sexuellen Belästigungen, bei den Männern sind es fast 49%. Frauen werden häufiger von Männern belästigt, meist von einem Kollegen, von Kunden oder von Vorgesetzten. Männer dagegen werden in rund der Hälfte der Fälle von Männern belästigt.

Arbeitgeber stehen in der Pflicht

Legende: Video Sexuelle Belästigung? Situation 2 abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Kassensturz vom 05.11.2013.

Eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Kavaliersdelikt. Das Obligationenrecht verpflichtet Vorgesetzte, ihre Angestellten vor sexueller Belästigung zu schützen. Die gleiche Pflicht ergibt sich aus dem Arbeitsgesetz, der Verordnung zum Arbeitsgesetz und dem Gleichstellungsgesetz.

Konkret muss der Arbeitgeber sexuelle Belästigung verhindern, und er muss dafür sorgen, dass einem Opfer aus einer sexuellen Belästigung keine Nachteile entstehen.

Vor Gericht tauchen Klagen wegen sexueller Belästigung häufig im Zusammenhang mit Kündigungen auf. Zum Beispiel in einem Fall, der vor Bundesgericht endete. Eine Frau beklagte sich bei ihrem Chef, weil dieser sie ständig berührte und sexistische Bemerkungen machte.

Das von ihr gewünschtes Gespräch kam nicht zustande. Die Frau reichte schliesslich eine Strafanzeige gegen ihren Chef ein. Damit konfrontiert, kündigte dieser der Frau.

Das Bundesgericht stufte die Kündigung als missbräuchlich ein und sprach der Frau eine Entschädigung von sechs Monatslöhnen zu. Der Chef habe nicht das Geringste unternommen und damit seine gesetzliche Fürsorgepflicht verletzt.

Was unangenehm ist, ist eine Belästigung

Legende: Video Sexuelle Belästigung? Situation 3 abspielen. Laufzeit 03:21 Minuten.
Aus Kassensturz vom 05.11.2013.

In diesem Zusammenhang müssen sich die Gerichte immer wieder mit der Frage auseinandersetzen, was im Einzelfall als sexuelle Belästigung gilt. Aus der Vielzahl der Urteile lässt sich eine einfache Formel ableiten: Eine Belästigung ist, was vom Opfer als unerwünscht und unangenehm empfunden wird.

Anzügliche Sprüche zum Beispiel, peinliche Bemerkungen, unerwünschte sexuelle Avancen, Zurschaustellen von Nacktfotos, E-Mails mit sexuellem Charakter, unerwünschte Berührungen, harsche Kritik am Aussehen oder anderes, ungebührliches Verhalten.

So beurteilte ein Gericht die fristlose Entlassung einer Frau als rechtens. Sie führte in einem Lagerraum Telefonsexgespräche mit einem Mann – im Beisein einer 16-jährigen Lernenden.

Vor Gericht ist es oft schwierig, eine sexuelle Belästigung zu beweisen. Wer sich nicht wehrt, in dem er zum Beispiel Vorgesetzte oder die Personalstelle informiert oder sich an eine Beratungsstelle wendet, hat in einem Prozess einen schweren Stand.

So erging es einer Angestellten. Im Betrieb herrschte seit Jahren ein rauer Umgangston. Weil sich die Frau jedoch nie dagegen gewehrt hat, blitze sie vor Gericht ab.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Kunterbunt, Zürich
    die Kleidung spricht hier niemand an. Es ist für immer wieder verwunderlich, dass Frauen derart erpicht sind sich besonders zu schminken, viel Bein zu zeigen und das Dekolletee zur Schau zu stellen. Das ist nicht professionell. Der professionelle Mensch weiss das Augenmerk auf die Aufgabe und den Menschen zu lenken und nicht auf den Körper. Da haben teilweise Frauen noch viel von den Männern zu lernen.
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    1. Antwort von CB, ZH
      Aha. Und das gibt Ihnen oder anderen Männern dann das Recht, diese Frau sexuell zu belästigen? Ihr Eintrag ist absolut lächerlich.
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    2. Antwort von CB, SG
      Allein der Satz "die Frauen haben noch viel von den Männern zu lernen" zeigt mir, auf welch tiefem Niveau Sie unterwegs sind. Pfui Teufel sind Sie mir unsympathisch! Sie gehören vermutlich genau zu den Typen, die vor Frauen grosse Sprüche klopfen, aber nicht viel hinterm Vorhang haben. Lach
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  • Kommentar von CB, SG
    An einem anderen Arbeitsplatz fragte mich ein Mitarbeiter, ob ich nicht Lust hätte, mal mit ihm in den Swingerclub zu gehen (!). Und das fragte mich dieser Vollpfosten auch noch vor anderen Mitarbeitern. Im Swingerclub würden eh alle Masken tragen, da würde mich keiner erkennen. (Hey suuper!). Der Vollidiot hat es nicht kapiert. Er hat mir die gleiche Frage dann häufiger gestellt. Nachdem ich ihm mit einer Anzeige gedroht habe wegen sex. Belästigung am Arbeitsplatz hörte das Ganze sofort auf.
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  • Kommentar von CB, SG
    @Christoph Huber: HalliHallo... Es ist nicht dasselbe, ob zwei Menschen heftig miteinander flirten oder jemand sexuell belästigt wird. Klar? Sogar ich als Anwaltsgehilfin hörte Sprüche wie "Ich schenke Ihnen einen Gutschein für 3 x Sex mit mir". Oder "Ich mags am Liebsten Französisch" oder "Frauen mögen es doch geschlagen zu werden". Wenn man dann nicht sofort die richtige Antwort parat hat, hat man verloren. Unglaublich was sich gewisse Leute erlauben. Gehts eigentlich noch??
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