Mit Computerspiel gegen Korruption

Schweizer Führungskräfte simulieren am Computer einen Spitalbau in einem Schwellenland. Dabei werden sie mit Korruption konfrontiert und sollen so schon online das richtige Verhaltensmuster ausprobieren.

Eine Person steckt einem Mann ein Bündel Geldnoten in die Jackentasche. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele Schweizer Export-Unternehmen sind mit Korruption konfrontiert. Colourbox

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (HTW) stellt eine neue Simulation vor, die Führungskräfte von Schweizer Unternehmen im Ausland mit realistischen Szenarien konfrontiert.

«Realistisch deshalb, weil es zu Verstössen gegen Arbeitsrecht oder zu Korruption kommen kann», erklärt HTW-Professor Christian Hauser.

Wie reagiere ich bei Bestechung?

Bislang hätten derartige Simulationen eher statisch funktioniert. Fragen à la «Darf ich den Zöllner bestechen?» konnten mit Ja oder Nein beantwortet werden. Die Folgen aus dem Nein waren jedoch nicht ersichtlich.

Die neue Simulation vermittelt einen Eindruck, wie sehr zum Beispiel mit Verzögerungen am Zoll zu rechnen ist. Wenn die Führungskräfte diese bei der Planung ihres Projekts von Beginn weg einrechnen würden, dann käme es weniger zu Konfliktsituationen.

Export-Firmen interessiert

Die Szenarien der Simulation sind durch Interviews mit 80 Experten und Fachleuten entstanden, teilt die HTW mit. Eingesetzt werden soll das neue Programm ab sofort in der Schulung junger Führungskräfte. Erste Unternehmen haben bereits Interesse gezeigt, weitere sollen dazukommen.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt eine Studie, die ebenfalls durch die HTW entstanden ist. 40 Prozent der Schweizer Unternehmen im Ausland seien bereits mit Korruption konfrontiert worden. «Zwei Drittel dieser Firmen haben dann auch tatsächlich Zahlungen geleistet», so HTW-Professor Hauser.