Model-Ausbildung: Sackgasse statt Laufsteg

Eine zweifelhafte Model-Agentur verspricht jungen Frauen eine grosse Karriere als Topmodel. Doch die angeblich anerkannte Ausbildung erweist sich als Flop. Zurück bleiben ein wertloses Diplom und ein Loch im Portemonnaie.

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Model-Ausbildung: Sackgasse statt Laufsteg.

7:20 min, aus Kassensturz vom 27.3.2007

Auch Karin Haltner wollte Model werden. Bei der Look Model Agency in St.Gallen versuchte die Handarbeitslehrerin vor über einem Jahr ihr Glück. Der Chef der Agentur empfing Karin persönlich und riet ihr als Erstes gleich zu einem teuren Schmink- und Laufstegkurs. Kostenpunkt: 1200 Franken für vier Kurstage. Von diesem Betrag sollte sie jedoch nur 900 Franken bezahlen. Die verbleibenden 300 Franken könne Karin später abarbeiten.

Da Karin Haltner zögerte, das Angebot anzunehmen, bot ihr der Chef von Look Model Agency an, ausnahmsweise 600 Franken zu übernehmen. Das mache dann 600 Franken Schulden bei der Agentur, was aber kein Problem sei, da Karin als besonderes Talent in der Lage sei, die Schulden schnell abzuarbeiten.

Wertloses Model-Diplom

Renommierte Modellagenturen wie die Option Model Agency, die Top-Models wie Nadine Strittmatter und Patricia Schmid unter Vertrag hat, halten diese Vorgehensweise für unprofessionell. Ursula Knecht von der Option Model Agency: «Das ist wirklich unseriös. Das hat überhaupt nichts mit dem professionellen Modelbusiness zu tun, und ist überhaupt keine Garantie, dass man nachher wirklich ein Model ist oder wird.»

Models, die es in diesem Business geschafft haben, kennen solche Kurse nicht - und mussten auch nie etwas bezahlen, um einsteigen zu können. So bestätigen es drei gefragte Models, denen der Einstieg gelang, ohne für Fotos oder dergleichen bezahlt zu haben. «Entweder nehmen die einem oder nicht», bringt es Model Angela auf den Punkt.

Agentur kassiert 150'000 Franken für Model-Ausbildungen

Marcel Weingartner, der Chef der Modellagentur Look, verteidigt sich. Ohne Erfahrung würden die meisten Einsteigerinnen nicht weit kommen, meint er. Gewisse Grundkenntnisse seien notwendig, um von Agenturen der Modebranche aufgenommen zu werden. Seine Kurse seien sehr beliebt, so Weingartner. Praktisch jeden Monat finden diese mit bis zu 15 Teilnehmerinnen statt. Allein damit kassiert Weingartner rund 150'000 Franken. Im Gegenzug erhalten die Absolventinnnen ein Diplom.

Ursula Knecht von der Option Model Agency ist jedoch überzeugt,dass ein solches Diplom nicht weiterhilft: «Also ich schaue sie alle an, und es wäre ja schön, wenn es mal jemand auch mit einem solchen Diplom schaffen könnte, aber ich habe es bis jetzt einfach noch nie erlebt.»

Zu klein für den Laufsteg

Hinzu kommt, dass Karin Haltner nur gerade 168 cm gross und damit für den Laufsteg eigentlich zu klein ist. Ihre Zweifel hatte Weingartner jedoch schnell aus dem Weg geräumt: Weil sie so schlank sei, könne man mit höheren Schuhen etwas nachhelfen.

Die Branche jedoch macht keine Ausnahme. Auch in der Schweiz müssen Mädchen, die auf den Laufsteg wollen, deutlich über 170cm Körpergrösse vorweisen können.

Hefte verteilen statt posieren

Den Kursteilnehmerinnen wird der Kauf von speziell teuren Schminksachen und die Anfertigung einer Setkarte für weitere 90 Franken ans Herz gelegt.

Karin Haltner erhielt schliesslich einen einzigen Auftrag. Sie musste Hefte verteilen. Kassensturz will von Marcel Weingartner wissen, warum er den jungen Frauen solche Kurse verkauft, wenn sie gar keine Chancen haben als Model zu arbeiten: «Ganz, ganz wenige haben vielleicht die Möglichkeit nicht, weil sie sich nicht richtig bemühen und zu wenig Initiative zeigen», ist der Agenturchef überzeugt, «sonst haben die meisten Chancen. Wie viele Aufträge, das liegt an ihnen selber. Die einen haben viele Aufträge, obwohl sie vielleicht nicht so talentiert sind wie solche, die talentiert sind, aber nichts machen.»

Kartin Haltner jedoch ist überzeugt, bei der Look Model Agency viel Geld für gar nichts ausgegeben zu haben: «Sie versprechen einem sehr viel, öffnen einem eine neue Welt oder versprechen, dass ich Model arbeiten kann, doch das alles ist nicht eingetreten.»