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Post: Schalterpersonal leidet unter hohem Verkaufsdruck
Aus Espresso vom 28.01.2015.
abspielen. Laufzeit 09:37 Minuten.
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Arbeit Post: Schalterpersonal leidet unter hohem Verkaufsdruck

Die Post als Gemischtwarenladen: Das nervt selbst Post-Mitarbeiter. Der Verkaufsdruck sei gross. «Es dreht sich alles nur noch um den Verkauf von Handy-Abos», sagt ein Poststellenleiter gegenüber «Espresso». Bei vielen Produkten fühlen sich Angestellte für eine seriöse Beratung zu wenig geschult.

Es gibt fast nichts, was die Post nicht verkauft: Von der Versicherung über die Autobahnvignette, Konzert-Tickets, Lotterielose, Papeterieartikel, Süsswaren bis hin zu Handy-Abos und WC-Bürsten gibt es alles. Und die Post setzt ihre Angestellten unter hohen Verkaufsdruck, wie eine Umfrage der Gewerkschaft Medien und Kommunikation, Syndicom, zeigt.

Aboverkauf um jeden Preis

Problematisch seien vor allem die Vorgaben beim Verkauf von Handy-Abos am Schalter, sagt ein Poststellenleiter gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1: «Mittlerweile hat sich der Druck so verstärkt, es dreht sich alles nur noch um den Verkauf von Handy-Abos.» Im letzten Jahr habe seine Poststelle nicht einmal die Hälfte der Vorgaben beim Aboverkauf erreicht. Trotzdem seien die Verkaufsziele fürs laufende Jahr nochmals nach oben gegangen: «Einfach total unrealistisch, völlig überrissen.»

Angst um Job

Wie die Umfrage der Gewerkschaft Syndicom zeigt, belasten die hoch gesteckten Verkaufsziele viele Angestellte. Zu gesundheitlichen Problemen komme die Angst vor dem Jobverlust. Und der Druck drängt Postangestellte zu fragwürdigen Praktiken: Einige geben an, dass sie selber Telefone kaufen, um die Umsatzvorgaben zu erreichen.

Dass der Griff zu solchen oder ähnlichen Massnahmen öfter vorkomme, bestätigt der Poststellenleiter gegenüber «Espresso»: «Die meisten, die ihre Ziele bei den Handy-Abos erreichen, klopfen in ihrer Freizeit ihr privates Umfeld ab, damit sie auf den geforderten Umsatz kommen.»

Zu wenig Ausbildung für Postangestellte

Insbesondere das Schalterpersonal leidet unter dem hohen Druck: «Bei jedem Kunden, der bei mir an den Schalter kommt, fange ich bereits vorher an zu studieren, was ich ihm noch verkaufen könnte», erzählt eine Postangestellte, die aus Angst um ihren Job ebenfalls anonym bleiben will. Zudem sei die Ausbildung für den Verkauf von postfremden Produkten oft mangelhaft, sagen mehrere Postmitarbeitende übereinstimmend.

Die Gewerkschaft Syndicom ist von diesen Aussagen grundsätzlich nicht überrascht. Überrascht hat sie jedoch, wie viele Postangestellte mit dem hohen Druck Probleme haben. Dazu kämen die gesundheitlichen Konsequenzen: «Die Leute klagen über Schlaflosigkeit, Panikzustände, Burnouts – es gibt vermehrt Krankheitsfälle deswegen.»

Stellungnahme der Post:

«Espresso» hat mit Post-Mediensprecher Bernhard Bürki über die Ergebnisse der
Syndicom-Umfrage gesprochen. Er sagt: «Unsere eigenen Mitarbeiter-Befragungen
zeigen jeweils ganz andere Resultate, nämlich dass auf den Poststellen sehr
engagierte und zufriedene Angestellte arbeiten. Die Post und ihre Sozialpartner
sind grundsätzlich der Ansicht, dass die vorgegebenen Verkaufsziele realistisch
sind.»

Und auf den Vorwurf der ungenügenden Schulungen für das Verkaufen von Handy-Abos reagiert der Post-Sprecher so: «Die Post hat das grösste Interesse, dass sich die Mitarbeiter auskennen und gut geschult sind. Damit sie kompetent beraten können, stellen wir Verkaufstrainings, Lernzirkel und Workshops zur Verfügung.»

Bitte ohne Gummibärchen!

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Ende 2013 wünschten sich 15 Prozent unserer Hörer im Rahmen der Aktion «Da mues öppis gaa!» eine Poststelle ganz ohne Schnickschnack. Mehr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von E. Siefert , Basel
    Jetzt versteh ich auch, wieso mir die Schalterbeamtin, nachdem ich einen Brief aufgegeben hatte und auf Nachfrage auch keine Vignette brauchte, dann fast flehentlich gefragt hat, ob ich denn nicht wenigstens noch 10 Marken kaufen wolle, damit ich nicht so oft zur Poststelle laufen müsse... Frage mich langsam wirklich, wie lange es noch dauert, bis man Briefmarken bei Migros oder COOP kaufen kann und Pampers bei der Post...
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  • Kommentar von F. Limacher , Zürisee
    Da wo ganze Heerscharen an jungen, unerfahrenen Betriebsökonomen frisch ab Presse auf den Markt losgelassen werden, passiert das was bei der Post seit einigen Jahren Einzug gehalten hat. Auf der Poststelle habe ich den Eindruck gewonnen, dass auf "Teufel komm raus" Umsatz gebolzt werden muss um die oben genannten Heerscharen von Schriftgelehrten am Leben zu erhalten und durch zu füttern. Der Gemischtwarenladen Post wird damit sehr unglaubwürdig und sollte besser sein Kerngeschäft optimieren.
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  • Kommentar von Pankraz Mai , SG
    Ich besuche die Post nur noch, wenn es unbedingt nötig ist! Ich kann diesen aggressiven Laden nicht ausstehen.
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