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Arbeit Trinkverbot: Coop pfeift Filialleiter zurück

Ein Filialleiter im Raum Basel hat den Mitarbeitenden verboten, an der Kasse Wasser zu trinken. Dank «Espresso» hatte das Verbot allerdings nicht lange Bestand.

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Trinkverbot: Coop pfeift Filialleiter zurück
03:38 min, aus Espresso vom 24.12.2014.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.

Die Mitarbeitenden einer grossen Coop-Filiale im Raum Basel konnten kaum glauben, was ihnen der Chef mitten in der strengen Weihnachtszeit mitteilte: Jegliches Konsumieren von Esswaren und Getränken sei im Laden ab sofort verboten – das gelte auch an den Kassen.

Und nicht nur das: Wer sich nicht an dieses Verbot halte, der riskiere seine Stelle. «Espresso» wird ein Sitzungs-Protokoll zugespielt, auf welchem der Beschluss des Filialleiters so formuliert ist: «Ab sofort darf nichts mehr im Laden oder Lager getrunken und gegessen werden – inklusive Kasse! Dafür ist der Aufenthaltsraum bestimmt. Bei einer Kontrolle setzt man seine Anstellung aufs Spiel, darum sind diese Massnahmen strikte einzuhalten. Ohne Wenn und Aber!»

Coop-Sprecher: «Das wäre ja absurd»

«Espresso» legt Coop das entsprechende Protokoll vor und fragt, was es mit diesem Trinkverbot auf sich habe? Mediensprecher Urs Meier sagt, in diesem Fall habe «der Filialleiter über das Ziel hinaus geschossen». Eigentlich habe der Filialleiter seine Mitarbeiter daran erinnern wollen, keine unbezahlte Ware im Laden zu konsumieren. Dies sei nämlich tatsächlich verboten.

Hintergrund ist, dass Coop die Filialleiter zuvor angewiesen hatte, die Mitarbeitenden an genau dieses Verbot zu erinnern. Wie besagter Filialleiter daraus ein totales Ess- und Trinkverbot machen konnte, obendrein noch mit der Androhung einer Kündigung, ist schleierhaft. Coop-Mediensprecher Urs Meier spricht denn auch von «Blödsinn». Das Trinken an der Kasse sei selbstverständlich erlaubt. «Es wäre ja absurd, wenn man einem Mitarbeiter aufgrund von so etwas kündigen würde.»

Filialleiter musste Verbot rückgängig machen

Inzwischen ist das Trinkverbot in der Coop-Filiale wieder aufgehoben. Der Filialleiter musste am vergangenen Samstag vor seinen Mitarbeitenden antraben und das Verbot rückgängig machen. «Dabei hat er hoffentlich seinen Ton angepasst», meint Mediensprecher Urs Meier.

Übrigens: Arbeitsrechtlich wäre ein solches Trinkverbot schwierig durchzusetzen. Der Arbeitgeber hat gegenüber seinen Angestellten nämlich eine Fürsorgepflicht. Dazu gehört, dass er um die Gesundheit der Mitarbeitenden besorgt ist.

Coop und das Arbeitsgesetz

«Kassensturz» und «Espresso» berichteten im vergangenen Jahr vermehrt über Coop. Hier eine Zusammenfassung der Ereignisse:

11.02.14: Coop missachtet Arbeitsgesetz: Mitarbeiter klagen an

Manipulierte Arbeitspläne, gestrichene Pausen und viele Überstunden. «Kassensturz»-Recherchen zeigen: Um Personalkosten zu sparen, missachtet Coop das Arbeitsgesetz und den eigenen Gesamtarbeitsvertrag. Mitarbeiter beklagen sich. Coop räumt Fehler ein. Zum Artikel

13.02.14: Coop verspricht im Arbeitsstunden-Debakel: Lösung bis Ende Monat

Unter den Coop-Mitarbeitern brodelt es. Mehrere Hundert Angestellte meldeten sich bei «Kassensturz» und bestätigten die groben Verstösse gegen das Arbeitsgesetz. Der Detailhändler reagiert jetzt: Gemäss Personalchefin will Coop bis Ende Februar die Minusstunden über 41 Stunden bei allen Betroffenen streichen. Zum Artikel

14.02.14: Detailhandel: Illegale Arbeitsbedingungen nehmen zu

Die Enthüllungen über die Arbeitszustände bei Coop haben es an den Tag gebracht: Im Detailhandel nimmt der Druck zu. Darunter leiden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gefordert sind die kantonalen Arbeitsinspektoren. «Espresso» fragt: Wie reagieren diese auf diese Entwicklung? Zum Artikel

18.02.14: Spardruck im Detailhandel - Coop-Mitarbeiter leiden

Der «Kassensturz»-Bericht über Coop und ihre Verstösse gegen das Arbeitsgesetz hat hohe Wellen geschlagen. Nach dem ersten Beitrag schreiben hunderte von Betroffenen aus der ganzen Schweiz im Online-Forum von «Kassensturz/Espresso». Und es stellte sich heraus: Schuld am übertriebenen Spardruck ist die Coop-Chefetage. Diese verspricht nun Besserung. Zum Artikel

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19 Kommentare

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  • Kommentar von S. Marco , Zürich
    Bei Coop zieht langsam aber sicher deutsche Detailhandelskultur ein. Man erinnere sich an die vielen Fälle in unserem Nachbarland wo manche Discounter nicht gerade zimperlich mit ihren Angestellten umgehen. Zitat in der DE Presse vor Jahren; „Das Sündenregister der Discounter ist skandalös“. Mehr gibts dazu nichts zu sagen. Apropos Einzug der Kulturen; es fällt auf, gewisse Unternehmenskultur importiert werden. Das müsste mal thematisiert, bzw. eine Grundsatzdiskussion ausgelöst werden.
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  • Kommentar von Dinu Marsson , 3012
    Der windige Pressesprecher versucht die Angelegenheit zu verwedeln und Espresso geht ihm auf den Leim. Meines Erachtens ist da gar nicht alles gut. Es geht nicht an, dass ein Filialleiter ein Terrorregime aufzieht und wegen Nichtigkeiten mit Entlassungen droht. Es ist schon traurig genug, dass Wenigverdienende generell schlechtere Arbeitsbedingungen haben als Normalverdienende im Büro. Von der Migros erwarte ich, dass der Chef einen Verweis erhält.
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  • Kommentar von Willy Boller , Selevac
    Wetten, dass .... das ein Thema für die nächste Fasnacht ist. Insbesondere die lachhafte Ausrede des Mediensprechers Urs Meier, dass "...der Filialleiter seine Mitarbeiter daran erinnern wollen, keine UNBEZAHLTE Ware im Laden zu konsumieren. Dies sei nämlich tatsächlich verboten". Ich bin überzeugt, dass war das Neueste für die alle Mitarbeitenden!
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