Aus für Bauernhof-Olympiade? Swiss Olympic droht Veranstaltern

Hufeisen werfen, Nägel einschlagen und Outdoor-Kegeln: Das sind einzelne Disziplinen einer Bauernhof-Olympiade. Jetzt nimmt Swiss Olympic die Plauschevents ins Visier. Der uralte Begriff Olympiade sei markenrechtlich geschützt. «Kassensturz» über die wacklige Drohgebärde eines grossen Verbands.

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Bauernhof-Olympiade: Swiss Olympic setzt Veranstalter unter Druck

12 min, aus Kassensturz vom 11.11.2014

«Hau den Ball» heisst eine Disziplin der Emmentaler Olympiade in Trachselwald. Teilnehmer müssen hier einen rollenden Pinpong-Ball mit einem Hammer treffen.

Acht verschiedene Disziplinen gibt es an diesem Plausch-Wettbewerb. Die Unterhaltung steht im Vordergrund, Glück ist wichtiger als körperliche Fitness.

Schöne Landschaft ein gutes Erlebnis

Seit mehr als 20 Jahren organisiert Peter Zimmermann solche Veranstaltungen auf seinem Hof. Daneben betreibt er eine Haflingerzucht. Die Veranstaltungen hiessen bei ihm von Anfang an Olympiade.

Peter Zimmermann, sagt: «Für uns umschreibt Olympiade im positiven Sinn: Erlebniswert, Spiel und Spass. Wir wollen dass die Teilnehmer in einer schönen Landschaft ein gutes Erlebnis haben. Der Wettkampf-Gedanke dabei ist zweitrangig.»

30'000 Franken Strafe

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Bildlegende: Die Disziplin «Käse-Labyrinth» der Emmentaler Olympiade. SRF

Vor zwei Wochen erhielt Peter Zimmermann einen scharf formulierten Brief von Swiss Olympic. Der Vorwurf lautete: Er würde mit dem Anlass «Emmentaler Olympiade» eine eingetragene Marke des IOC verletzen.

Vor sieben Jahren hatte Swiss Olympic Peter Zimmermann deswegen schon einmal angeschrieben. Die Sache verlief damals im Sand. Jetzt aber fordert Swiss Olympic ihn auf, auf den Ausdruck Olympiade zu verzichten und eine Unterlassungs-Erklärung zu unterzeichnen. Die Höhe der angedrohten Konventionalstrafe bei einem Verstoss: 30'000 Franken.

Peter Zimmermann kommt das vor als würde man mit Kanonen auf Spatzen schiessen: «Swiss Olympic müsste wissen, dass kein Schaden entsteht dadurch, dass viele Anbieter den Begriff Olympiade verwenden.»

Viele Briefe von Swiss Olympic

Nicht nur Peter Zimmermann, ganz viele andere Betriebe bieten ebenfalls Events an, die sie «Olympiade» nennen: Wer im Internet sucht, findet eine Samichlaus-Olympiade oder eine Bau-Olympiade mit Baggern. Und auf der Plattform Team-Events wimmelt es nur so von Olympiaden.

Die allermeisten Anbieter oder Plattform-Betreiber haben in den letzten Tagen Post von Swiss Olympic erhalten, mit der Aufforderung auf den Ausdruck Olympiade verzichten.

Olympiade: Ein Begriff aus dem Altertum, bezeichnete ursprünglich den Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen, also vier Jahre. Dieser jahrtausend alte Begriff soll geschützt sein?

Rechtsexperte: «Keine klare Markenrechtsverletzung»

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Bildlegende: Disziplin «Tisch-Bowling ». SRF

Markenrechtsexperte Florent Thouvenin ist Assistenzprofessor für Informations- und Kommunikationsrecht an der Universität Zürich. Er bestätigt: Ein Begriff wie Olympiade und olympisch kann beim Institut für Geistiges Eigentum eingetragen und als Marke geschützt werden.

«Grundsätzlich lässt sich jeder Begriff als Marke schützen. Voraussetzung ist, dass er vom Durchschnitts-Konsumenten als Marke verstanden wird», sagt Thouvenin.

Für ihn sind die Bauernhof-Olympiaden beziehungsweise die Emmentaler Olympiade keine klaren Fälle einer Markenrechtsverletzung.

Verwechslungsgefahr ist ausschlaggebend

Denn es liegt keine Markenverletzung vor, wenn der Ausdruck Olympiade als Beschreibung für einen Wettkampf verwendet wird, in dem Mitmachen wichtiger als gewinnen ist und wenn keine Verwechslungsgefahr mit den Olympischen Spielen des IOC droht.

Thouvenin sagt zum Beispiel der Emmentaler Olympiade: «Ich sehe hier keine Markenverletzung, weil der Begriff Olympiade in Kombination mit weiteren Begriffen wie Emmental gebraucht wird. Es wird klar, es ist nicht das IOC oder Swiss Olympic, die eine Olympiade veranstaltet.»

Trotz der Drohgebärde von Swiss Olympic Peter Zimmermann will nicht klein beigeben. Er wird weiterhin seine Emmentaler Olympiade veranstalten. Er sagt, der Ball liegt jetzt bei Swiss Olympic.

Swiss Olympic: «Es herrscht keine Verwechslungsgefahr»

Im «Kassensturz»-Studio nahm Christof Kaufmann von Swiss Olymic Stellung. Er rechtfertigte das Vorgehen des Verbandes mit den versprochenen Leistungen an die zahlenden Sponsoren der «richtigen» Olympiade. Wenn jeder Veranstalter den Begriff brauchen könnte, verliere er an Wert. Auch für die Sponsoren.

Kaufmann bestätigte aber, dass keine Verwechslungsgefahr herrscht zwischen einer Emmentaler Olympiade und dem internationalen Sportanlass des IOC.

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Studiogespräch mit Christof Kaufmann von Swiss Olympic

5:42 min, aus Kassensturz vom 11.11.2014