Heiler: Falsche Versprechungen im Namen Jesu

Ein Prediger verspricht Heilung: Blinde sollen wieder sehen, Taube hören und Gelähmte wieder gehen können. Hält der selbsternannte Apostel seine Versprechungen? Kassensturz begleitete zwei Behinderte zu seiner Show.

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Heiler: Falsche Versprechungen im Namen Jesu

8:14 min, aus Kassensturz vom 25.9.2007

Im Stadthofsaal Uster herrscht Feststimmung. Eine Sängerin stimmt das Publikum auf eine Zeremonie ein. Der Prediger Charles Ndifon, ein Wunderheiler, der häufig in der Schweiz zu Gast ist, hat dort zu einem Heilungsgottesdienst gerufen.

«Komm vorbei und werde geheilt»

Auf seiner Homepage macht der selbsternannte Apostel grosse Versprechungen: Die Blinden können wieder sehen, die Tauben hören und die Gelähmten gehen. Auf einem Veranstaltungshinweis steht: «Bist Du krank, dann komme vorbei und werde geheilt.»

Kassensturz besucht mit dem Arzt Christian Wenk die Veranstaltung. Seit einem Sportunfall ist er gelähmt. Er habe sich eigentlich immer fern gehalten von solchen Anlässen: «Vor allem deshalb, weil ich keine Hoffnungen erleben will, bei denen ich als Wissenschafter und Arzt weiss, dass sie nicht berechtigt sind.»

Regina Reusser ist im Alter von 20 Jahren erblindet. Auch sie besucht die Veranstaltung. «Nein, ich glaube nicht, dass es funktioniert». Sie wolle es aber ausprobieren, damit man nicht sagen könne, es nicht wenigstens versucht zu haben.

Auch Skeptiker würden Leiden los

Kassensturz will herausfinden, ob Ndifon tatsächlich Blinde und Gelähmte heilen und Kranke wieder gesund machen kann. Der Prediger gibt sich überzeugt: «Die Bibel sagt, es ist die Macht Gottes, die sie heilt. Sie sehen das überall in der Welt. Wir waren in der Mongolei, Dänemark, Schweden, Norwegen. Wir waren auch in der Schweiz. Tausende wurden geheilt.»

Wie geht das? «Ich gebe ihnen die gute Nachricht: Ich sage ihnen, was Jesus für sie getan hat. Wenn sie es glauben, dann werden sie geheilt, ganz einfach. Und auch wenn Skeptiker kommen, werden sie geheilt», sagt Ndifon.

Der Apostel hat die Bühne betreten, das Publikum ist ergriffen. Vorher haben die Veranstalter die Besucher zum Spenden aufgefordert, nun drängen sich Heilungssuchende an den Bühnenrand. Der Prediger will Menschen mit Augenproblemen heilen. Eine Helferin führt die blinde Regina Reusser zur Bühne. Ndifon befiehlt, dass die Betroffenen ihre Blindheit verlieren.

Die Besucherinnen und Besucher warten gebannt auf den Moment der Heilung. «Ich will, dass ihr die Menschen jetzt testet», ruft Ndifon. «Siehst Du etwas? Hast Du den Blitz gesehen?» «Nein», antwortet Regina Reusser. Sie habe auch nie geglaubt, dass man die Blindheit heilen kann.

Erleichterung nur für eine Minderheit

Theologieprofessor und Sektenexperte Georg Schmid hat kürzlich in Zürich eine Veranstaltung von Ndifon besucht: «Ein solcher Saal ist ja eine Ansammlung menschlichen Leidens. Da kommen so viele Leute mit so vielen Hoffnungen. Ein paar von denen erleben sicher eine Erleichterung. Mindestens der Schmerz ist nicht mehr so stark.»

Die Stimmung sei gut, aber ein Grossteil gehe wieder weg mit dem gleichen organischen Leiden wie vor der Veranstaltung. «Das sieht er und sieht er gleichzeitig nicht. Er sieht es mit seinen Augen», so Schmid. Mit seinem Geist blende er den Misserfolg wahrscheinlich aus.

Der Wunderheiler hat Christian Wenk an den Bühnenrand gerufen. «Ich befehle, dass die Nerven wieder zusammenwachsen!» Doch alle Heilungsversuche nützen nichts, Wenk spürt keine Veränderung. Dennoch lässt der Prediger das Publikum applaudieren.

Zuerst Enttäuschung, dann Depression

Georg Schmid hat bisher keine überzeugenden Beweise für Heilungen des Predigers gesehen. Er warnt vor Enttäuschungen: «Herr Ndifon sagt ja, wenn man richtig glaubt, dann wird man gesund. Glauben und Gesundheit gehen miteinander.» Wer keine Heilung erfährt, könnte sich vorwerfen, nicht den richtigen Glauben zu haben und daraus schliessen, von Gott abgelehnt und von Dämonen gepackt worden zu sein. «Es könnte also eine richtige Depression aus der Enttäuschung herauswachsen», befürchtet Schmid.

Der Gottesdienst neigt sich dem Ende zu, Kassensturz hat keine Heilungen gesehen. Der Heiler rechtfertigt sich: «Es gibt viele Gründe, warum Leute nicht geheilt werden. Bei einigen könnten es religiöse Traditionen sein, bei anderen liegt es nicht notwendigerweise am Glauben. Sie fühlen Bitterkeit – die Bibel lehrt es – und die nehmen wir ihnen weg. Ärzte sagen, es gebe Zustände, die von einer Bitterkeit im Herzen kommen.»

Keine überzeugenden Beweise geliefert

Die Firma Kingdom Business, die sich unter anderem durch Spenden finanziert, vermarktet den Wunderheiler. Jella Wojacek von Kingdom Business behauptet, der eine Teil erlebe die Heilung heute, der andere beim nächsten Mal oder nach drei, vier Monaten. «Und diese Dokumente halten wir auf der Seite und schicken die Leute auch zum Arzt. Mit Patienten, bei denen effektiv ein Unterschied festgestellt wird, gehen wir dann an die Öffentlichkeit», sagt Wojacek.

Fazit: Der Prediger hat an der Veranstaltung die grossen Versprechungen nicht gehalten. Kassensturz verlangte vom Veranstalter Kingdom Business Beispiele von Leuten, die der Apostel Ndifon in der Schweiz nachweislich geheilt hat. Bis heute sind der Redaktion von Kingdom Business jedoch keine überzeugenden Beweise geliefert worden.